Wege raus aus dem Dunkel
Reisen mit Depressionen?
Reisen mit Depressionen?

Reisen mit Depressionen?

Angst prägte die letzten Wochen,
am liebsten hätt‘ ich mich verkrochen,
in der Zeit vor dem Losfahren,
aber ich musste doch noch planen.

Ich fragte mich, wie soll ich’s schaffen?
Mich jeden Tag erneut aufraffen,
um alles was ich brauch‘ zu packen,
„Einfach machen, nicht lang schnacken!“

Nur „einfach machen“ funktioniert nicht,
denn Angst und Panik versperren die Sicht,
denn Reisen, das bedeutet immer,
Kontrollverlust – geht es noch schlimmer?

Kontrolle darüber, wo ich bin, was ich esse,
alles strukturiert, damit ich’s nicht vergesse.
Doch Reisen bedeutet: Loslassen, Risiko –
insgeheim aber bin ich auch froh.

Denn die Kontrolle kontrolliert mein Leben.
Flexibilität und Spaß kann es damit kaum geben.
Doch loslassen? Viel zu gefährlich.
auf Reisen wär’s einfacher – denke ich.

Was möglich ist, das ist zu planen,
ausreichend Tabletten für die Einnahmen,
der Notfallplan ist ausgeklügelt,
langsam werd ich doch beflügelt.

Alles besprochen mit Therapeut und Partner,
dadurch wird es nun doch etwas leichter.
Geklärt, woran ich Verschlechterung merke,
wann ich abbreche und zurück nach Hause kehre.

Bevor der Trip ins Ungewisse startet,
Solaranlage auf’s Dach – wir haben lange gewartet.
Die erste Nacht ist schon gebucht,
auf dem Weg noch schnell die Schwester besucht.

Dann geht es los nach Norwegen,
erst durch Dänemark, dann durch Schweden,
alles in zwölf Stunden am Stück,
am Ende dacht‘ ich, ich werde verrückt.

Vollkommen müde doch glücklich sind wir da,
mit Lilly zu fahren, dauert lang, war ja klar,
denn schneller als 90 fährt sie nicht,
sie ist eben langsam, unser Schwergewicht.

Die Reise war dann richtig gut!
11 Wochen voll mit ganz viel Mut,
mit Leid und Qual und Sonnenschein
das Leben ist bunt, so soll es sein.

Neu entdeckt habe ich das Wandern für mich,
„Das ist doch langweilig“, dachte ich,
doch ist die Landschaft einfach fantastisch,
der Weg ist das Ziel, das ist sehr praktisch.

Berge, Meer, Natur und Ruh‘.
Am See sitzen, die Augen zu
und einfach nur die Sonne genießen,
die Schönheit mit ’nem Sekt begießen.

Zwar war nicht immer alles schön,
oft konnt‘ ich die Schönheit gar nicht seh’n,
denn dann war alles dunkel in mir,
und ich dachte: Mist, was mache ich hier?!

Steh‘ ganz oben auf der Bergesspitze,
denk daran, wie ich mich ritze
und mir fällt auf wie einfach es wäre,
zu springen, hinab zu gleiten in die Leere.

Dagegen kämpf‘ ich dann fleißig an,
sehe nichts mehr, denke nur daran,
wie ich die Gedanken los werden kann,
verzweifelt fang ich zu weinen an.

„Auch das ist Teil dieser Reise“,
denk ich und sage mir ganz leise:
„Siehe das Gute, was darin liegt:
Du widersetzt dich stolz, bist nicht besiegt.“

Du hast noch ausreichend Lebenskraft,
um nicht einfach aufzugeben, wäre ja gelacht,
wenn ein schlechter Gedanke die Reise verhagelt,
denk daran, Gedanken sind nicht fest genagelt.

Du kannst sie verändern, kannst was machen,
sie doch erkennen die schönen Sachen.
Genießen, leben, in kalte Seen springen,
spazieren gehen und auch mal singen.

Und vor allem mit H. mal wieder zu leben,
sich gemütlich der Zweisamkeit hingeben,
der Alltag, die Sorgen sind in Köln geblieben,
jetzt ist es Zeit, das Leben zu lieben.

Trotz des Kummers und all der Qual,
trafen wir oft bewusst unsere Wahl
und haben uns für die „Probieren“ entschieden,
tolle Erinnerung sind zurück geblieben.

Ich freue mich, über unseren Mut,
über neues Wagen, deine Ideenflut,
das Vertrauen, Stabilität und die Liebe,
schön wär’s wenn das jetzt alles bliebe.

Ich freue mich auf weitere Reisen,
auf’s Ausprobieren und sich selbst Beweisen.
Ich freu‘ mich auf Ruhe und Zweisamkeit,
denn ich liebe dich voll Innigkeit.

Anmerkung:
Text: Februar 2021 in Erinnerung an unsere Skandinavienreise 2020.
Foto: Skandinavienreise, 2020©H.

2 Kommentare

  1. Silvia Borroni

    Liebe Kristine,
    Das ist eine wunderbare Liebeserklärung auf der einen Seite und spiegelt auf der anderen Seite die häufigen Ängste vor der Ungewissheit wieder, die einen da draußen erwartet !!
    Im letzten Jahr habe ich vor lauter unbewusster Panik und Angst vor meiner ersten Reise allein mit zwei Kindern an die Ostsee nichts mehr essen können und war darüber regelrecht krank geworden. Erkannt habe ich das allerdings erst sehr viel später, als ich schon bedenklich viel Gewicht verloren hatte.
    Deine Geschichten und Gedichte sprechen mich sehr an, da ich mich oft in Ihnen wieder erkenne.
    Danke dafür 🤗!!
    Silvia

    1. Liebe Silvia,
      vielen Dank für deine lieben Worte. Es ist schön zu hören, dass man nicht allein ist ♥ Auch wenn ich dir natürlich wünschen würde, dass du solche Phasen nicht durchmachen musst! Ich glaube, dass man es oft erst (zu) spät erkennt, wie sehr einen eine Situation belastet/ belasten kann. Das Wichtigste ist aber, dass man es überhaupt bemerkt und sich somit selbst helfen kann, finde ich. Kristine

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.