Wege raus aus dem Dunkel
Fern und doch nah
Fern und doch nah

Fern und doch nah

Taubheit.
Watte umgibt mich.
Oder Nebel.
Ich fühle nichts, doch bin angespannt.
Bin gar nicht da und irgendwie schon.
Bin irgendwo und nirgends.
Sehe nichts und irgendwie doch.
Zeit ist ein Konstrukt, das für mich nicht zu existieren scheint.
Alle Tage, Wochen, Jahre scheinen in einem Wust vereint.
War es Gestern? Letzte Woche? Oder vielleicht nur ein Traum?
Waren wir nicht gerade erst gemeinsam im Raum?
Habe ich dir das gesagt, oder hab‘ ich’s bloß gedacht?
Schlafe ich noch oder bin ich bereits wach?
Meine Beine gehen, ich gehe mit ihnen mit.
Doch mein Kopf hält leider nicht Schritt.
Eben noch acht Uhr, jetzt viertel nach zwei –
wo ist die Zeit? Wie ging sie vorbei?
War ich nicht eben noch spazieren?
Wie konnte ich mich so in dem Film verlieren?
Was soll die ganze Watte im Kopf?
Gleichzeitig ein Sieb mit riesigem Loch.
Kälte hilft – ein paar Sekunden bin ich da,
dann wieder weg – fern und doch nah.
Mein Körper taub, kann ihn kaum spüren.
Das Wasser der Dusche – sollt’s mich nicht berühren?!
Habe ich etwa noch Klamotten an?
Oder wieso kommt das Wasser nicht an mich ran?
Ist es heiß? Kalt? Ich weiß es nicht.
Ist auch egal – es prasselt mir ins Gesicht.
Nur, dass es sich eben nicht so anfühlt.
Mehr so, als ob es mich gar nicht richtig berührt.
Zeit wieder ein Konstrukt, existiert wieder nicht.
Wo ist die Zeit? Egal – sie hat kein Gewicht.
Verrinnt oder steht – ganz wie sie will;
mal schnell, mal langsam oder steht komplett still.
Wenn ich ehrlich bin, interessiert’s mich auch kaum,
ich lebe ohnehin wie in ’nem Traum.
Albtraum – nur, dass wir uns nicht missverstehen.
Denn viel Gutes kann ich nicht darin sehen.
Alles um mich herum scheint irgendwie surreal,
alles ist mir vollkommen egal.
Wach? Traum? Realität oder nicht?
Ich zähle die Finger, vergewissere mich,
dass ich gerade nicht mehr schlafe,
auch wenn ich keine Ahnung habe,
was wirklich passiert ist und was nur im Kopf.
Ich wünschte, es gäbe irgend ’nen Knopf,
den ich drücken könnte – zurück zu „normal“.
Doch das geht nicht, und ist die Welt noch so fahl,
grau, leblos und ich ganz weit weg,
nichts hilft – was kann ich tun? Vielleicht einfach ins Bett
und hoffen, dass es besser wird.
Mein Kopf nicht mehr im Nirgendwo irrt.
Das Gehirn voll Nebel, Watte und alles dreht sich.
Als wäre ich betrunken – nur bin ich es nicht.
Als hätt‘ ich ’nen Kater, benommen vom Alk.
Das wäre leichter – ’ne Erklärung halt!
Und nicht das starke Fremdsein in mir.
Die Ungewissheit und Angst, Unwohlsein hier.
Die Frage: Hört es irgendwann wieder auf?
Wann geht es endlich weiter bergauf?
Ein Hoffnungsschimmer ist kaum zu sehen.
Ich kann mich ja selbst kaum verstehen,
wie soll es da wer anderes können.
Und mir helfen, mir Erleichterung gönnen?!
Das liegt wohl komplett nur bei mir,
nur weiß ich nicht wie – mein Kopf ist sehr wirr.
Alles wie in einem Film oder Traum –
Unwirklichkeit von Zeit und Raum.
Rieche Gerüche, weiß nicht, sind sie real?
Höre Geräusche, bin unsicher, sind die wirklich da?
Fühle mich benommen, wie unter Drogen,
will nur allein sein, alles andere wäre gelogen.
Sprechen ist mir viel zu anstrengend,
die Zunge schwer, ich rede lallend.
Wieso? Naja, die Taubheit macht’s kompliziert,
als hätte ich ’ne Betäubung bekommen, injiziert.
Hatte ich meine Klamotten gestern schon an?
Und wäre nicht eigentlich Duschen mal dran?
Ich weiß es nicht – vielleicht war’s gestern, vielleicht nicht.
Vielleicht letzte Woche, es interessiert mich nicht.
Denn irgendwie scheint alles egal.
Es ist eben alles surreal.

Anmerkung:
Text: Februar 2022.
Foto: Februar 2022©Kristine.

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