Wege raus aus dem Dunkel
Gemeinsam einsam
Gemeinsam einsam

Gemeinsam einsam

Ich bin verzweifelt, weiß nicht wohin,
doch weiß, ich kann mich bei dir melden.
Mir geht’s gut, plötzlich macht alles einen Sinn,
fühlen uns wie zwei Helden.

Mal geht’s mir schlecht, dann wiederum dir,
irgendwas ist einfach immer.
Ständig die Frage „Was machen wir hier?“
„Wird nicht alles immer schlimmer?“

„Es war doch gar nicht mal so schlimm“,
sagst du, doch ich, ich weiß es besser.
Weiß, du verdrängst es, nimmst es so hin,
gehst nicht ins dunkle Gewässer.

„Meinst du, es wird einfach jedes mal leichter,
oder kann ich besser damit umgeh’n?“
Nein, das Wasser wird nicht seichter,
aber du wirst stärker, kannst es seh’n.

Wir kämpfen gemeinsam, Tag ein, Tag aus,
und doch jeder allein und nur für sich selbst,
doch du machst es leichter, holst mich oft raus;
und ich bin da, wenn sie dich in ihren Krallen hält.

Ich kann mich auf dich sicher verlassen,
und du natürlich auch auf mich,
auch wenn ich dabei bin, mich selbst nur zu hassen –
bei dir kann ich mich trotzdem melden, das weiß ich.

Ist sie zu eng, unsere Freundschaft?
Vielleicht, wer kann das schon beschließen?!
Wer sagt, was richtig ist und was nicht passt,
wir lassen es einfach weiter fließen.

Denn so lange es beiden hilft und gut tut –
wieso sollte es dann nicht da sein?
In dunklen Phasen machen wir uns gegenseitig Mut,
beziehen den anderen ins Leben mit ein.

Das schöne – und auch ungewohnte –
ist: Bei dir bin ich so, wie ich halt bin.
Ungefiltert, anders, laut, mal ohne Worte,
manchmal macht’s viel, oft gar keinen Sinn.

Mal schrei‘ ich dich an, weil ich so wütend bin –
nicht auf dich, sondern die Welt allgemein.
Dann wieder fröhlich, verwirrt und sing,
lache – bekomm‘ mich kaum mehr ein.

Es hilft, dass ich dir erzähl’n kann, was ich will,
auch wenn ich mich mal dafür schäme.
Weiß, manchmal erzähl ich auch nur Müll,
um zu füllen, die innere Leere.

Du verstehst mich, nimmst kein Blatt vor den Mund,
ich geb‘ dir Ratschläge, wenn’s dir nicht gut geht.
Du hasst das, merkst sie dir, wartest und
schlägst damit zurück, wenn ich mal wieder im Dunklen schweb‘.

Dafür hasse und liebe ich dich zugleich,
denn hören, will ich es natürlich nie.
Doch weiß, du hast recht – es ist halt nicht leicht,
eigene Ratschläge zu hören – was für ’ne Ironie.

Gemeinsam getrennt stolpern wir durch den Tag,
der andere nur ein Anruf weit weg.
Das ist es, was ich an unserer Freundschaft mag,
unkompliziert, offen – trotz all dem Gepäck.

Wir gehen spazieren, diskutier’n alles aus,
mal gestresst, angespannt, mal gut drauf.
Bei dir lass‘ ich einfach alles raus,
du nimmst alles gelassen auf.

Auch du erzählst mir, was dich stört,
aufregt, freut oder bedrückt,
ist angenehm, wenn’s jemand hört,
raus aus dem Kopf, ins rechte Licht gerückt.

Ich bin sehr dankbar, glücklich und froh,
dass ich dich dort getroffen hab‘,
und das sag‘ ich nicht einfach so,
sondern, weil ich dich sehr lieb hab.

Anmerkung:
Text: Januar 2022.

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