Wege raus aus dem Dunkel
Verzweiflung
Verzweiflung

Verzweiflung

Die Sonne scheint, der Himmel ist blau,
doch um mich herum ist alles grau.
Die Natur erstrahlt im schönsten Kleid,
doch bin dich die Schönheit einfach Leid.
Sie zeigt mir, was ich grad nicht sehe
und – ehrlich gesagt – auch nicht verstehe.
Sie führt mir vor Augen – deutlich und klar:
„Du bist halt einfach sonderbar!
Du kannst die Schönheit nicht seh’n und genießen,
würdest dich lieber im Dunkeln einschließen.
Und dort allein sein, um Ruhe zu haben.
Ruhe, vor all den bunten Farben
und Tönen, Geräuschen der Welt, der Natur,
sie reizen und ärgern dich sowieso nur.
Machen sich lustig über dich:
„Siehst du die tolle Welt denn nicht?“
Nein, denke ich bei mir ganz still.
Auch wenn ich sie gern sehen will,
umgibt mich Nebel, hüllt mich ein.
Schottet mich ab, lässt niemanden rein.
Lässt mich allein, mit Leere und Trauer,
Hilflosigkeit, Frust – so stark wie ’ne Mauer.
„Es ist schön hier“, ist, was ich objektiv weiß,
doch denken tu‘ ich: „Was soll dieser Scheiß?!“
Wofür soll ich denn bitte leben?
Kann nicht mehr kämpfen, nichts mehr geben.
Viel leichter wär‘ es vom Berg runter zu springen
und so durch die dicke Mauer zu dringen.
Endlich Ruhe, Schlaf, Stille und Frieden.
Nur, was ist mit denen, die mich lieben?
Doch vielleicht wär das auch besser für sie.
Ohne mich. Ohne die Last – irgendwie.
Denn müssten sie sich nicht mehr sorgen,
nicht hoffen, auf einen besseren Morgen.
Sie hätten auch endlich ihre Ruhe.
Hoffen sie, dass ich es endlich tue?
Die Rasierklinge nehmen und nicht lang hadern,
gezielt sie aufschneiden, die Pulsadern.
Mich noch einmal spüren, frei und lebendig,
bevor die Dunkelheit mich umgibt… Endlich…

Anmerkung:
Text: Sommer 2020.
Foto: Wanderung, Norwegen, 2020©Kristine.

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