Wege raus aus dem Dunkel
Panikstörung
Panikstörung

Panikstörung

In der Klinik wurde eine Panikstörung diagnostiziert. Vorher hieß es, es sei eine Angststörung. Aber eigentlich ist es mir auch egal, wie es heißt, es ist ja da. Was bedeutet Panikstörung nun aber?

Im Prinzip handelt es sich dabei um plötzlich aufretende, unerwartete Angstanfälle, die keinem offensichtlichen Auslöser, wie zum Beispiel einer gefährlichen Situation, zugeordnet werden können. Eine Panikattacke dauert in der Regel nicht länger als 15, maximal 30 Minuten. Sie geht also verhältnismäßig schnell vorbei. Jede*r, der/die das kennt, weiß aber: In dem Moment fühlt es sich nicht so an. Da fühlt es sich an, als würde es NIE WIEDER aufhören und man da NIE WIEDER raus kommen. Keine Chance!

Was sind nun die typischen Symptome?

Bei jedem ist es – wie bei jeder Erkrankung – anders. Ich merke zum Beispiel zuerst das Herzrasen, dann eine Enge in der Brust, die mit Atemprobleme einhergeht. Dann fängt es an im Kopf nebelig zu werden, leichter Schwindel ist da. Meine Hände und Arme fangen an zu kribbeln und ich fange an zu zittern. Ich schwitze wie irre, aber mir ist nicht unbedingt warm. Ich habe einen unheimlichen Bewegungsdrang und fühle mich doch manchmal gleichzeitig gelähmt. Wenn es schlimmer wird, kommt ein Piepen im Ohr dazu und ich gerate in einen Heulkrampf. Mein Denken setzt aus und ich fühle mich hilflos und weiß nicht, was ich tun soll und wie ich das überleben soll. Bis es dann irgendwann wieder abschwächt. Manchmal kommt es aber auch in Wellen. Wird stärker, schwächt ab und kommt dann wieder angerauscht. Das ist besonders unangenehm. Es fühlt sich an wie eine Ewigkeit, auch wenn es das natürlich nicht ist.

Dazu hatte ich in zwei früheren Gedichten schon mal etwas geschrieben, ohne jedoch zu wissen, dass es sich um eine Panikattacke handelte. Jetzt weiß ich es. Hier noch mal zum besseren Verständnis die Auszuüge aus den Texten:

Ich empfinde es vor allem als anstrengend, dass das Denken irgendwie aussetzt. Selbst wenn ich am Tag zuvor eine Person bei einer Panikattacke begleitet und unterstützt habe, so fällt mir partout nicht mehr ein, was ich erzählt habe und was helfen könnte. In diesem Fall empfinde ich es als hilfreich, wenn ich mir das entweder im Notfallkoffer aufgeschrieben habe und dran denk, mir das anzugucken, oder aber mit jemandem sprechen kann, der mir hilft. Dabei ist mit am Wichtigsten, dass das Gegenüber ruhig bleibt und mir so den Eindruck vermittelt, dass alles ok ist.

Hilfreich ist außerdem zu versuchen, den Atem zu beruhigen und insbesondere nicht zu viel und tief einzuatmen, um nicht zu hyperventilieren, da das für noch mehr Panik sorgt. Also: Erst atmen und dann entweder sich selbst folgende Sätze sagen, oder jemanden haben, der einen begleitet und einem versichert, dass man sicher ist, dass es vorbei geht, dass man es schon mal geschafft hat, dass es ok ist, verzweifelt zu sein etc.

Sehr unangenehm empfinde ich es auch, dass ich oft mehrere Stunden lang eine latente Angst verspüre, die jeder Zeit in eine Panikattacke umschwenken kann. Ich habe Herzrasen und das Atmen fällt mir schwer. Wenn ich mich zu sehr darauf konzentriere oder Gedanken kommen wie: „Hilfe, gleich bekomme ich Panik!“, dann fängt Schwindel an und das Kribbeln in den Händen – die Panikattacke rückt wirklich an. In diesem Fall ist es hilfreich, mir zu sagen, dass alles ok ist. Dass ich keine Angst haben muss. Dass ich in Sicherheit bin. Mich daran zu erinnern, zu atmen. Tief zu atmen und nicht so flach. Meinen Bauch mit Luft zu füllen und komplett auszuatmen. Mich zu bewegen, um Adrenalin abzubauen. Mich abzulenken. Alles, nur nicht Gedanken der Angst aufkommen lassen, denn sonst habe ich verlore und werd überrollt. Mittlerweile sehe ich das und es gelingt mir ab und an ziemlich gut. Nicht immer, aber oft. Und das ist in Ordnung so. Denn ich bin auf dem Weg. Es muss nicht alles perfekt funktionieren, aber es hilft, wenn ich sehe, dass einiges klappt.

Anmerkungen:
Text: 30. Oktober 2021.
Foto: Acrylbild, halbfertig, Oktober 2021©Kristine.

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