Wege raus aus dem Dunkel
Dankbarkeit
Dankbarkeit

Dankbarkeit

Leere, aber keine Ruhe.
Gefühllos, aber nicht entspannt.
Ich weiß nicht, was ich hier tue,
alles scheint mir unbekannt.

Wie bin ich hier jetzt hingekommen?
Wir war’n doch eben noch nicht hier.
Ich fühle mich total benommen,
aber auch sicher, hier bei dir.

Ich rede, weiß nicht, macht das Sinn?
Es ist auch irgendwie egal.
Denn weiß ich eh nicht, wer ich bin.
Alles erscheint mir so banal.

Ich hör‘ dir zu – versuch‘ es zumindest,
die Konzentration ist minimal.
„Was sagst du?“ „Ach, nichts bestimmtes,
das Leben ist einfach ’ne Qual!“

Dabei bemüh’n wir uns doch wirklich,
gehen spazieren, Ablenkung und Skillen.
Doch hilfreich scheint das alles nicht,
fehlt es etwa am starken Willen?!

Nein, daran wird es auch nicht liegen.
Stark sind wir beide – da bin ich sicher.
Doch scheint die Störung gerade zu siegen,
macht jede Sekunde unfassbar schwer.

Wer will denn so ein Leben leben?
Warum wird es stets schlimmer?!
Auch wenn wir alles haben gegeben,
irgendwas ist einfach immer.

Aushalten – ich kann’s nicht mehr hören!!
Ja klar, angeblich geht’s vorbei.
Doch lässt sich die Leere davon nicht stören,
ich kann’s kaum ertragen, die Warterei.

Und ist’s nicht die Leere, dann kommt die Panik.
Samt Herzrasen, Schwindel, Gedankenflut.
Damit ich bloß keine Ruhe abkrieg‘.
„Tu‘ einfach das, was dir gut tut!“

Ach halt den Mund, was soll das Schönreden?!
Wenn alles doch irgendwie nichts bringt.
Was ist das nur für ein beschissenes Leben,
in dem alles Schöne nach Märchen klingt.

Hinzu kommt noch die Einsamkeit.
Wie bleiernde Schwere, schmerzend im Magen,
strahlt aus, der ganze Körper scheint bereit,
dem Leben „Auf Wiedersehen“ zu sagen.

Jetzt bin ich hier, dir geht es schlecht,
mir geht es auch nicht wirklich gut.
Verloren, hilflos, verzweifelt – zu recht.
Keine Ahnung, was uns jetzt gut tut.

Seit Stunden bin ich nun bei dir,
gefühlt fünf Minuten – oder zehn,
was ist nur los, heute bei mir?
Weiß nicht, wie soll es weiter gehen.

Denn so kann es ja wohl nicht bleiben.
Jede Sekunde, Minute, jeden Tag auf’s Neue
kämpfen und kämpfen und trotzdem leiden.
Hasse mich, das Leben – wie ich es bereue!

Bereue, die Klinik, denn mir war nicht klar,
dass es so schwer wird, gefühlt unmöglich.
Doch immerhin bist du hier, bist da,
und ich bin genauso da für dich.

Das erfüllt mich mit tiefer Dankbarkeit,
denn auch wenn’s dadurch nicht besser geht,
so ist sie ein wenig geringer, die Einsamkeit,
wenn man gemeinsam vor dem Unmöglichen steht.

Ich bin bei dir und fühl‘ mich wohl,
verstanden, sicher und geborgen.
Und bin ich innerlich auch hohl,
bei dir ists’s ok, du verstehst die Sorgen.

Danke mein Herz, dass du für mich da bist,
und ich sein darf, so wie ich bin.
Gerade wenn’s mir schlecht geht, alles hoffnungslos ist,
du lässt mich sein, nimmst es einfach hin.

Ich danke dir für deine Freundschaft,
deine Ehrlichkeit und Unterstützung,
gemeinsam wird’s besser, wär‘ doch gelacht,
würden wir’s nicht schaffen: Wir werden gesund!

Anmerkungen:
Text: Oktober 2021
Foto: London, September 2021©Kristine.

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