Wege raus aus dem Dunkel
Tagesklinik seit 14.06.2021
Tagesklinik seit 14.06.2021

Tagesklinik seit 14.06.2021

Seit einer Woche bin ich jetzt in der Klinik. Ich denke, ich habe mich ganz gut an alles gewöhnt, aber merke, wie kaputt ich immer bin, wenn ich nach Hause komme. Auch die Konzentration während ich da bin, könnte deutlich besser sein. Ebenso wie mein physisches Befinden: Ich habe seit Tagen ziemlich Bauchschmerzen, was wohl auch mit der Klinik und allem was damit zusammenhängt zu tun hat. Aber meine Gruppe (9 Leute) ist nett und die dort arbeitenden Menschen ebenso, das macht vieles leichter. Außerdem funktioniert es, dass ich veganes Essen erhalte, was mich auch entspannt, da ich dadurch unproblematisch essen kann. Wir müssen jeden Tag von 8.00 bis ca. 15.45 dorthin, am Wochenende alternierend Samstag oder Sonntag. Letzte Woche war ich am Sonntag, was bedeutet, dass ich diesen Samstag hin muss. Eine sehr lange Woche also.

Die Grundannahme in der Klinik ist, dass mit dem gesunden Teil gearbeitet wird. Dass es darum geht, selbst Verantwortung zu übernehmen und zu lernen, wie man mit falsch erlernten Verhaltensweisen umgehen kann oder sie sogar ändern kann. Das Programm ist auf 12 Wochen ausgerichtet und erfordert viel Eigenarbeit in der freien Zeit. Wir haben verschiedene Gruppen, in denen wir etwas über den Umgang mit Gefühlen, Gefühlen allgemein, Selbstachtung, zwischenmenschliche Fähigkeiten und natürlich Skills lernen, mit denen wir die Emotionsregulation erlernen und kontrollieren sollen. Viel verstehen, viel lesen und sehr viel üben. Und immer wieder sich dazu zwingen. Denn der kranke Teil im Körper will einen Strich durch die Rechnung machen. Er wehrt sich mit Händen und Füßen. Man vergisst Termine leichter, driftet ab und kann weniger aufnehmen, schläft schlechter, hat evtl auch Migräne etc. Da ist der Körper schon sehr erfindungsreich und dennoch muss man sich dem jeden Tag wieder und wieder stellen. Das ist extrem anstrengend. Ich hoffe nur, dass es hilft.

Im Folgenden werde ich ab und an mal ein kurzes Video hochladen bzw. kurz etwas darüber schreiben, wie es so läuft, damit ihr einen Eindruck bekommen könnt.

Hier könnt ihr schneller zu den Teilen springen, die ihr vielleicht noch nicht gelesen habt:

Klinik Tag 15
(Video)

Klinik Tag 16
(Video)

Klinik Tag 18
(Video)

Klinik Tag 20
(Verhaltensanalyse, Video)

Klinik Tag23
(Zielvorstellung)

Klinik Tag 26
(Freies Wochenende)

Klinik Tag 27
(Selbstwert)

Körpertherapie
(eigener Artikel)

Klinik Tage 36 – 42
(Text + Video)

Klinik Tag 44
(Text, Glaubenssätze)

Klinik Tag 47 und 48
(Text + Video)

Klinik Tag 66
(Text + Bilder)

Klinik Tag 74
(Text+Video)

Klinik Tag 80
(Text + Video)

Klinik Tage 75f
(Wochenrückblick)

Klinik Tag 91
(Video)

Klinik Tag 92
(Video)

Klinik Tag 94
(Video + Bilder)

Klinik Tag 95
(Video + Bilder)

Klinik Tag 2

Klinik Tag 2: Naja, oder 1, da ich gestern noch nicht in der Gruppe war, sondern es nur um den organisatorischen und bürokratischen Kram ging. Zum Glück ist mein richtiger erster Tag recht seicht gestartet, da einiges ausgefallen ist und ich dank des guten Wetters viel alleine draußen sein kann – an die Größe der Gruppe und die damit verbundenen Geräusche, etc muss ich mich erst noch gewöhnen…

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Klinik Tag 9

Heute ist der 9te Kliniktag und es geht mir nicht so gut. Ich bin total müde und erschöpft, würde mich am Liebsten im Bett verkriechen, aber es ist ja erst 18 Uhr… Wir hatten heute Morgen eine Gruppe in der es um den Umgang mit Gefühlen ging, was doch recht anstrengend war und ich bin dauernd weggedriftet. Ich glaube, mein Körper (mein krankes Ich), will das alles nicht so gerne hören… Das erschwert die Arbeit immens. Kurz vor dem Mittag gab es 25 Minuten Entspannung, was mir heute nicht so leicht viel, da ich sehr angespannt und gereizt bin, aber trotzdem gut tat. Nachmittags habe ich dann noch 1 Stunde im offenen Atelier frei malen können, was ganz ok war. In der freien Zeit haben wir einige Aufgaben, die wir selbstständig bearbeiten müssen, sodass man immer was tun kann.

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Klinik Tag 11 – Vor- und Nachteile des Gesundwerdens und Krankbleibens

Tag 11 in der Klinik: Ich habe heute u.a. die Ziele festgelegt, die ich erreichen möchte (Beziehungsfähigkeit, Arbeitsfähigkeit) und die speziellen DBT Ziele, wie z.B. Wut/ Ärger regulieren lernen, Suizidgedanken reduzieren, Stresstoleranz verbessern, Selbstwert und Selbstbewusstsein verbessern, Verlustängste reduzieren und noch einige mehr. Außerdem habe ich eine Pro-Contra-Liste erstellt in Bezug auf „gesund werden“ vs. „krank bleiben“, was gar nicht so einfach ist, wie es klingt. Vor allem, da ich stark gegen die kranke Seite momentan kämpfen muss… Heute war sehr viel das „trotzige Kind/ Teenager“ aktiv, sodass ich zwischendurch nicht therapiefähig war, da ich nichts aufnehmen konnte. Auch dagegen anzukämpfen und da wieder raus zu kommen, ist oft schwierig.

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Was mache ich eigentlich, wenn ich nach der Klinik nach Hause komme?

Was mache ich, wenn ich aus der Klinik täglich nach Hause komme? Meistens lege ich mich erst einmal hin und schlafe eine Runde bzw. liege einfach nur. Es strengt mich an, dort zu sein und den ganzen Reizen ausgesetzt zu sein. Regelmäßig habe ich ein Rauschen auf den Ohren, das erst einmal wieder abklingen muss, wenn ich zu Hause bin. Da ich gegen 17h zu Hause bin, ist es nach der Erholung meist schon 18 Uhr. Ich versuche dann jeden Tag – wenn ich nicht z.B. zum Plenum unserer Bar gehe oder das Gemüse der GemüseKoop abhole – noch mindestens eine Postkarte zu malen. Um mich zu erholen. Energie zu tanken. Positive Sätze noch mehr zu verinnerlichen. Mir eine Erinnerung zu schaffen. Meine Gedanken nur auf das Malen zu richten. Das tut mir gut. Bislang kam Folgendes dabei heraus:

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Tag 13 – mein heutiges „Recht“

Jeden Tag sagen wir zur Verabschiedung einen positiven Satz auf (etwas, worauf wir uns freuen) und ich nenne zusätzlich noch ein „Recht“, das ich habe. Heute war es: „Ich darf Grenzen setzen.“ Das habe ich zur Entspannung und Verinnerlichung heute Abend (Tag 13) visualisiert.

Zur Verabschiedung einer Mitpatientin wird immer eine Kleinigkeit vorbereitet. Diesmal hat jeder eine Mini-Leinwand bemalt – das hier ist mein Ergebnis. Ich denke, dass sie sich darüber freut. Dazu backe ich morgen noch einen Kuchen und dann wird Montag ein wenig Abschied gefeiert.

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DBT – Was ist das und was genau mache ich da eigentlich in der Klinik??

DBT – was ist das eigentlich?

DBT bedeutet „Dialektisch-behaviorale-Therapie“ und ist speziell für die Behandlung von Borderline entwickelt worden von Marsha M. Linehan. DBT integriert verschiedene therapeutische Methoden. Ziel ist es, den Patient:innen zu helfen, ihr persönliches Lebensziel/ ihre persönlichen Lebensziele zu erreichen. Meine Therapie in der Tagesklinik umfasst 12 Wochen.

Eigenverantwortung

Dabei geht es in dem ersten Drittel der Therapie vor allem darum, die Eigenverantwortung und Selbstkontrolle zu stärken. Es werden verschiedene Skills erlernt, damit ich als Patientin meine schädlichen Verhaltensmuster zu kontrollieren lerne. Ich erstelle einen „Notfallkoffer“, in den ich sämtliche Skill hineinpacke und den ich immer bei mir habe, um reagieren zu können. Außerdem erarbeite ich meine persönlichen und meine DBT-Ziele. Dazu gibt es wann anders mehr.

Was sind Skills?

Skills sind langfristig hilfreiche Fertigkeiten, die mir nicht schaden und mit denen ich meine innere Anspannung runter regulieren kann. Als Borderlinerin habe ich starke Schwierigkeiten Emotionen zu regulieren. Ich reagiere sensibler auf gefühlsmäßige Reize und lasse mich leichter von Gefühlen anstecken. Außerdem werden Gefühle intensiver erlebt und sind stärker ausgeprägt. Gerade unangenehme Emotionen erlebe ich oft als unerträglich. Dadurch gerat ich regelmäßig in Hochstressphasen.

Hochstressphasen

Eine Hochstressphase bedeutet, dass die innere Anspannung auf einer Skala von 0 bis 9 den Wert 7 oder höher erreicht hat. Der Wert 7 ist dann erreicht, wenn meine innere Anspannung so stark ist, dass ich an nichts anderes mehr denken kann, als sie zu beenden. Der Selbstverletzungsdrang ist dann sehr stark ausgeprägt und kaum zu unterdrücken. Deshalb greife ich in diesen Phasen zu schädlichem Verhalten, da mich das beruhigt und entspannt und ich ohnehin nicht mehr klar denken kann. Das passiert dann mehr automatisch. Die schädlichen Verhaltensweisen funktionieren in der Regel für einen kurzen Moment extrem gut, nur sind sie eben (langfristig) schädlich. Um eine Alternative dazu zu entwickeln und zu erlernen, ist das Kennenlernen und Üben neuer Fertigkeiten ein essentieller Teil der Therapie. Wenn ich Fertigkeiten gefunden habe, die mir helfen und die langfristig nicht schädlich sind, dann kommen sie in meinen sogenannten „Notfallkoffer“.

Mein „Notfallkoffer“

Mein Notfallkoffer ist natürlich kein Koffer im eigentlichen Sinne, sondern vielmehr eine kleine Tasche/ Täschchen, dass ich unproblematisch immer bei mir haben kann. In meinem Notfallpack sind unter anderem Ammoniak-Ampullen, an denen ich riechen kann. Ich habe einen harten Mini-Igelball, den ich in der Hand kneten oder über den Arm rollen kann. Scharfen Ingwer zum Essen. Eine Pro- und Kontraliste bezüglich Gesundwerden/ Krankbleiben. Meinen Extra-Behandlungsvertrag, um den noch einmal durchzulesen. Gerade bin ich dabei, mir einen Mini-Aquarellkasten zu basteln, den ich dann auch dort hinein tun kann.

Daneben gibt es Skills, die ich nicht in die Tasche packen kann, aber rglm. benutze: Bewusstes atmen/ Konzentration auf den Atem und zählen: Von 1000 in 7er Schritten rückwärts bis 0. Dadurch ist meine Konzentration gebunden und kann sich nicht mehr mit den schädlichen Gedanken beschäftigen. Natürlich kehren meine Gedanken immer und immer wieder zurück zu den negativen Gedanken und es erfordert viel Kraft und Anstrengung, bei den Übungen zu bleiben.

Oft muss man auch verschiedene Skills nacheinander und immer und immer wieder einsetzen, bis ein wenig Erleichterung eintritt. Es ist nicht so, dass man eine Fertigkeit anwendet und schwupps ist alles gut. Vielmehr ist es ein harter Kampf und man benötigt viel Durchhaltevermögen und Selbstdisziplin verschiedene Skills immer und immer wieder anzuwenden, auch wenn man das Gefühl hat, es brächte nichts. Denn einen Nachteil haben alle der oben genannten: Sie sind lange nicht so schnell wirksam und effektiv wie das schädliche Verhalten.

Verringerung des emotionalen Leidensdrucks

Der zweite Teil der Therapie ist darauf gerichtet, Vermeidungsverhalten vor allem im zwischenmenschlichen Bereich abzubauen, das Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein aufzubauen und zu verbessern, die Akzeptanz des eigenen Körpers zu erhöhen, etc.

Für all das Vorgesagte haben wir Kurse in 5 verschiedenen Modulen, in denen wir unterschiedliche Fertigkeiten erlernen:

  • Achtsamkeit
  • zwischenmenschliche Beziehungen
  • Umgang mit Emotionen
  • Stresstoleranz
  • Selbstachtung, Selbstwert

In all diesen Bereichen haben wir jede Woche je einen Gruppenkurs und bekommen Übungsaufgaben auf, damit wir das Erlernte auch umsetzen lernen. Daneben gibt es noch eine Psychoedukationsgruppe, in der verschiedene Themen behandelt werden. Letzte Woche ging es zum Beispiel um Trauer.

Wochenprotokolle

Modulübergreifend bekommt jeder von uns jede Woche ein Wochenprotokoll, das wir täglich ausfüllen. Dort sind die einzelnen Module noch einmal unterteilt, z.B. gibt es im zwischenmenschlichen Bereich die Unterteilung „Zielorientiert, Beziehungseffektivität und Selbstachtung“. Jeden dieser Bereiche sollen wir im besten Fall täglich üben und uns dem bewusst werden. Eine solche Unterteilung gibt es für jedes der oben genannten Module, sodass es viel Achtsamkeit und Aufmerksamkeit braucht, um jeden Tag zu erkennen, ob man alles umgesetzt hat und wenn nicht sich zu überlegen, wie man es noch umsetzen könnte.

Kunst- und Körpertherapie; Entspannung und Ohrakupunktur

Neben den Gruppenkursen in den unterschiedlichen Modulen haben wir noch Kunsttherapie und Körpertherapie. Auch jeweils einmal die Woche, in denen unterschiedliche Themen behandelt werden. Außerdem haben wir noch einmal die Woche Entspannung, in der zum Beispiel eine Fantasiereise gemacht wird oder bewusstes Atmen etc. Wer will, kann auch 2x die Woche zur Ohrakupuktur gehen. Das finde ich sehr spannend und nehme das natürlich auch mit. Vor allem freitags gefällt es mir gut, da es nach dem offiziellen Ende unseres Kliniktages ist, sodass die meisten lieber nach Hause gehen und ich den Raum für mich alleine habe und dort dann 40 Minuten mit den Nadeln in den Ohren entspannen kann. Ein wunderbarer Wochenabschluss, wie ich finde.

Tag 15 – heute geht es mir nicht gut

Heute war ein echt anstrengender Tag. Mein innerer Widerstand war kaum auszuhalten, der Drang abzubrechen immens hoch. Körperlich habe ich mich total gereizt, genervt, erschöpft gefühlt, kraftlos und war die meiste Zeit aus Erschöpfung kurz vorm Weinen. Vom Gefühl her war alles zu viel.
Verbaue ich mir meinen Therapieweg? Ist das normal? Was ist normal? Wie kann man den Nebel lichten? Was ist richtig, was ist falsch? Was, wenn es das nicht gibt? Woran halte ich mich dann?

Tag 16 – Auf und Ab

Willkommen zur Berg- und Talfahrt: Kraftlos, mutlos, genervt, kaum aus dem Bett gekommen. Die erste Zeit mit keinem gesprochen, nur Kopfhörer gegen Lärm auf. Dann war die Gereiztheit weg, dafür kam Leere und ein leichter Kopfschmerz. Der blieb, aber Anspannung kam hinzu. Die wurde stärker, Igelball und Ammoniak hatten ihren Einsatz, Tränen flossen. Geführte Entspannung – das war recht angenehm, bis ich plötzlich weg war. Nicht mehr ich mit 33, sondern ich war ca.8. Auch mein Körper fühlte sich so an. Gruselig. Ich habe mich zurück geholt, Tränen flossen die meiste Zeit. Aber es war ok. Nachmittags habe ich im offenen Atelier drei Federn mit Aquarell gemalt, das tat gut. Auf dem Rückweg habe ich mir noch Eis gegönnt, meine Laune stieg immer weiter. Zu Hause 30 Minuten auf der Shakti Matte und jetzt fühle ich mich richtig gut. Aber vielleicht auch wieder leer. Was für ein Hin und Her.

Einsamkeit

Die kurze Episode heute während der Entspannung hat mir zu denken gegeben. Nicht nur die Depersonalisierung, sondern auch das Gefühl der Einsamkeit. Denn ich fühle mich wohl, wenn ich alleine bin. Frei, kann atmen, muss mich nicht anpassen. Kann das tun, was ich will, wann ich will. Wenn ich unter Menschen bin, fühle ich mich immer eingeschränkt. Denke, ich müsste eine bestimmte Rolle, bestimmte Erwartungen erfüllen, auch wenn das vielleicht nicht so ist. Bin unsicher, ob ich mich richtig verhalte, denn manchmal weiß ich einfach nicht, wie man sich richtig verhält. Oder es fühlt sich unnatürlich an, strengt an. Das verwirrt mich. Und Treffen ermüden mich zudem häufig. Dann mache ich mir Vorwürfe, dass das so ist, denn eigentlich ist es doch was schönes, jemanden zu treffen?

Nur, bin ich weniger einsam, wenn ich wen treffe? Wenn ich ehrlich bin, dann nein. Ich glaube, Einsamkeit hat damit etwas zu tun, ob man sich mit jemandem tief verbunden fühlt und das komplett zulassen kann. Das ist meine Vermutung, aber ich weiß es nicht. Ein Thema, was ich diese Woche in der Therapie ansprechen werde. Denn ist nicht jeder einsam? Kann man überhaupt nicht einsam sein? Klar, man kann sich so beschäftigen, dass man es nicht spürt. Und sich gut arrangieren mit sich selbst – das kann ich auch gut. Ich fühle mich auch gut, wenn ich alleine bin. Dennoch nagt ab und zu irgendwo ganz tief in mir drin ein Gefühl von Einsamkeit. Ist das normal? Ich wüsste nicht, wie es anders sein kann. Aber es hat mich erschreckt, denn ich war mir dem nicht so wirklich bewusst. Habe ich das unbewusst verdrängt, weil es zu schmerzhaft ist? Wer weiß…

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Klinik Tag 18 – „Ich bin eine schöne Frau und darf Gefühle zeigen!“

Heute war ein interessanter Tag. Einerseits hatte ich das erste Mal Lust in die Klinik zu gehen und war neugierig, was mich erwartet, andererseits hatte ich Kopfschmerzen, mir war schwindelig und mein „Beschützermodus“ war intakt. Das bedeutet, dass ich quasi nichts fühle, also mein Körper keine Gefühle zulässt. Manchmal ploppt eins dann doch für eine Millisekunde auf und ZACK wird es wieder weggedrückt von dem Beschützer. Das ist ziemlich anstrengend, da ich ja merke, dass da was ist, aber nicht dran komme. Trotzdem hatte ich heute in der Körpertherapie und bei der Einzeltherapie ein paar Erkenntnisse: Auch wenn ich mich nicht mit der Borderline-Störung identifizieren möchte, tue ich es unbewusst offenbar manchmal: Ich sehe Anpassung und Harmonie als etwas Positives an, allerdings ist es das in dem Übermaß nicht, sondern eine Schutzstrategie, die dafür sorgt, dass ich eben nicht ich selbst bin, sondern meine erkrankte Seite das Sagen hat. Außerdem scheine ich durch mein Verhalten und meine Stimmungsschwankungen, die ich selbst gar nicht so stark wahrnehme (immerhin sind sie deutlich weniger als früher), andere Menschen zu verwirren und zu verunsichern, weil es schwer fällt, mich einzuschätzen. Das sind zwei wertvolle Erkenntnisse, mit denen ich jetzt weiterarbeiten möchte.

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Klinik Tag 20 – Vorstellung „Verhaltensanalyse Problemverhalten“

Eine Aufgabe in der Klinik kann es sein, eine Verhaltensanalyse zu schreiben. Das kommt dann vor, wenn man zum Beispiel in der Klinik sich fehl verhalten hat (zu spät gekommen ist, zu Hause Alkohol konsumiert hat, etc). Aber es kann auch eine über früheres Verhalten geschrieben werden. Ich habe darum gebeten, eine schreiben zu dürfen, da ich mich mit einem Verhalten, das schon sehr viele Jahre zurück liegt, noch einmal beschäftigen möchte, aber auf eine konstruktive Weise. Da es mich bis heute belastet, halte ich es für sinnvoll, da noch einmal hinzugucken. Ich fülle also die Blätter aus und bespreche es am Freitag mit einer Therapeutin in der Klinik. Ich bin sehr nervös deswegen und habe ein wenig Angst vor dem Ausfüllen, da man sich ja in die Situation wieder begeben muss und demanch viele Gefühle hochkommen können. Aber ich werde berichten.

Passend dazu: Das ABC GESUND. Es gibt viele Faktoren, die die Anfälligkeit und emotionale Verwundbarkeit erhöhen oder auch reduzieren. Gerade, wenn es um selbstschädigendes Verhalten/ Problemverhalten geht, ist es wichtig, im Voraus schon so viel wie möglich dem präventiv zu begegnen. Dazu dient das ABC Gesund:

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Klinik Tag 23 – Zielvorstellung

Heute war ein sehr gemischter Tag und vor allem so ereignisreich, dass ich einen eigenen Beitrag dazu verfasst habe. Kurz gesagt: Von Entspannung über Hochspannung, von Freude über Angst, Ekel und Scham bis hin zu einer gelungenen Zielvorstellung vor dem Team war alles dabei. Mehr dazu hier.

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Klinik Tag 26

Naja, streng genommen ist es kein „Klinik“ – Tag, da ich heute nicht in der Klinik war. Diese Woche war eine echt sehr gemischte Woche. Mittwoch und Donnerstag ging es mir überhaupt nicht gut, ich war im inneren Kind gefangen, habe viel geweint, war viel verzweifelt und wusste nicht weiter und habe es nicht geschafft, ausreichend Verantwortung für mich zu übernehmen und aus der Situation raus zu kommen. Daran werde ich die nächsten Wochen u.a. arbeiten. Denn natürlich kann ich auch mal verzweifelt und traurig sein, aber nicht unbedingt vollkommen unangemessen für 2 Tage. Gestern ging es mir dann wieder deutlich besser. Ich habe es am Donnerstag noch geschafft zwei für mich belastende Situationen aufzulösen und zu einem für mich sehr gutem Ergebnis zu bringen. Das hat mich befreit, mich erstaunt und mir auch wieder Mut zum Weitermachen gegeben. Außerdem hat es gezeigt, dass ich etwas gelernt habe und es offenbar recht gut umgesetzt habe. Zudem hatte ich gestern noch ein Bezugspflegegespräch und habe einige für mich momentan relevante und wichtige Sätze mitgenommen, die ich jetzt „nur noch“ emotional auch verstehen möchte:

ICH HABE VERTRAUEN IN MICH.
ICH DARF GESUND SEIN.
ICH HALTE MEINE GENESUNG AUS!

Genesung aushalten

„Ich halte meine Genesung aus“? Ist das nicht selbstverständlich? Tja, das sollte man meinen, aber so ist es nicht. Ich wünschte mir auch, dass es so wäre, aber es ist für mich auch unfassbar schwierig, Freude und Glück auszuhalten. Ich rechne immer damit, dass es sofort wieder weg ist oder denke, ich hätte es nicht verdient oder dürfte es gerade nicht fühlen. Außerdem habe ich viele Verhaltensweisen seit extrem langer Zeit, sie gehörten die letzten 20+ Jahre zu mir und plötzlich soll ich neue Wege lernen. Neue Verhaltensmuster und -weisen. Das ist nicht nur schwierig und anstrengend, sondern macht auch Angst. Was bleibt, wenn ich das verändere? Natürlich bleibe ich, sogar eine Version, die viel mehr Lebensfreude empfinden kann. Aber das emotional zu verstehen ist sehr schwierig, vor allem, wenn man dem ganzen nicht so traut. Und so kann es sein, dass auch die Genesung schmerzhaft ist und es gilt, das Auszuhalten. Die inneren Stimmen, die mir das nicht gönnen wollen, auszuhalten. Auszuhalten, dass ich mich schäme, dass ich überhaupt so fühle. Was für ein Wirrwarr. Aushalten, akzeptieren, annehmen. Und weiter machen. Immer weiter.

Verhaltensanalyse besprechen

Nachmittags hatte ich noch ein total hilfreiches Gespräch mit einer Therapeutin, mit der ich vorher nicht in Kontakt gekommen bin. Wir haben meine Verhaltensanalyse besprochen und sie hat für mich einiges sortiert und ich habe viel verstanden, mitgenommen und weiß, wie ich weiter an dem Problem arbeiten kann. Das war mit Abstand die hilfreichste Stunde bislang in der Klinik und ich bin froh, dass ich mich dieser Herausforderung gestellt habe. Dass ich überhaupt erkannt habe, dass ich mich darum kümmern sollte und will und es dann auch getan habe. Es gibt also Fortschritte. Kleine, aber immerhin. Das ist wohl der Weg. Lang, mit Rückschritten, mit kleinen Fortschritten. Immer weiter. Durchhalten. Nicht abbrechen. Nicht verzweifeln – und wenn, dann nur kurz. Aufstehen und weitermachen.

Freies Wochenende – Kraft tanken

Danach hieß es: Ab ins „lange“ Wochenende, denn ich bin gar nicht in der Klinik. Stattdessen bin ich gestern zu meinem besten Freund gefahren, habe dort einen total entspannten und ruhigen Abend verbracht und bin heute morgen nach dem Frühstück weiter zu meinem Bruder gefahren. Wir waren viel draußen, spazieren, sitzen, Tiere beobachten, lachen, reden. Einfach schön und total entspannend. Dieses Wochenende bedeutet für mich also eine Runde Kraft und Energie tanken. Positive, schöne Momente genießen und Erinnerungen kreieren. Das tut extrem gut!!

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Klinik Tag 27 – Wochenende genießen und Selbstwert aufbauen!

Was für ein schönes Wochenende! Wir haben uns heute einen sehr ruhigen und entspannten Tag gemacht: Ein wenig spazieren, lange auf einer Bank im Wald sitzen und ein großes Eis essen. Perfekt. Das alles hilft, damit ich auch mit mir selbst ein wenig entspannter und freundlicher umgehen kann. Und das wiederum trägt zur Selbstwertsteigerung bei. Genauso, wie der „InSEL“-Skill.

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Kliniktag 28 – 31

Heute, Donnerstag, 15.07.2021, haben wir einen „freien“ Vormittag, sodass ich endlich mal wieder dazu komme, etwas zu schreiben.

Diese Woche war insgesamt eigentlich recht gut.

Montag, Tag 28

Am Montag ist bei uns die Kunsttherapie ausgefallen, aber ich hatte mir meine Aquarellsachen mitgenommen und dann einfach in der Klinik gearbeitet, was sehr gut tat. Außerdem fand noch die Ohrakupunktur statt, die mir dieses Mal auch mit Musik sehr gut gefallen hat. Mir war zwar den ganzen Tag aufgrund Medikamentenerhöhung schwindelig, aber ich habe es dennoch geschafft abends noch Sport zu machen: 30 Minuten online Les Mills „Barre“ – ein Kurs, der eine Mischung aus Kraft, Cardio und Ballett enthält, den ich auch früher schon mal gemacht habe und der mir unheimlich viel Spaß macht! Danach ging es mir auch deutlich besser, auch der Schwindel hat abgenommen.

Dienstag, Tag 29

Am Dienstag hatten wir morgens eine schöne Entspannung: Da wird 30 Minuten eine Entspannungsübung angeleitet – immer etwas anderes. Manchmal empfinde ich es als schwierig und anstrengend, gerade wenn ich zu stark in eigenen Gedanken gefangen bin. Aber meist ist es total schön und ich kann mich gut darauf einlassen. Leider hatte ich an diesem Tag wieder mit starken Magenschmerzen zu kämpfen, aber mit Hilfe von Liegen und Wärmflasche haben die dann wieder abgenommen. Nachmittags hatten wir wieder „frei“ und ich konnte die Zeit gut nutzen, um spazieren zu gehen und in unterschiedlichen Büchern zu lesen („Das Kind in dir muss Heimat finden“ von Stefanie Stahl und „So zähmen Sie Ihren inneren Schweinehund“ von Marco von Münchhausen). Beide Bücher kann ich nur jedem empfehlen!

Danach ging es dann ab in die Stadt: Zu Abend essen und dann ins Kino: „Nomadland“, OV. Das erste Mal Kino seit sehr langer Zeit und ich habe es total genossen. Nicht nur, mal wieder Popcorn zu essen, sondern auch im Kinosaal zu sitzen und auf einer großen Leinwand einen tollen Film zu gucken, der zum Denken anregt. Die Kontraste waren sehr interessant: Freiheit – Pflicht; Ruhe – Hektik; Loslassen – Festhalten; Bedürfnis nach Ausstieg aus der Gesellschaft und dem Gefangensein im System. Ein spannender Film.

Mittwoch, Tag 30

Gestern war dann hier in Köln Land unter: Es regnete und regnete und regnete. Als ich losgegangen bin zur Klinik gab es einen Moment, in dem es nicht regnete, sodass ich Fahrrad gefahren bin, was sich als fataler Fehler herausstellte: Nach ca. ½ der Strecke fing es an wie aus Kübeln zu schütten. Ich saß den ganzen Tag mit nassen Socken und Schuhen in der Klinik, aber zum Glück war es nicht kalt. Außerdem war recht viel los, sodass ich nicht viel Zeit hatte, mich damit zu beschäftigen. Wir hatten zwei Kurse, die Oberarztvisite, in der man ca. 10 Minuten mit der Oberärztin spricht, und ich hatte ein Gespräch mit der Sozialberaterin und meiner Einzeltherapeutin. Mit meiner Einzeltherapeutin bin ich bislang nicht so zufrieden, bzw. mit der Art der Therapie. Ich habe dann meinen Mut zusammen genommen und das angesprochen, weil ich die Zeit hier nutzen möchte und nicht will, dass ich mich darüber die nächsten 8 Wochen ärgere. Zwar kann man die Therapeutin nicht wechseln, aber ich denke, es hat dennoch geholfen, die Schwierigkeiten auszusprechen. Und wenn es nur für mich ist, dass ich mich das getraut habe. Aber meine Therapeutin hat mir jetzt auch ein Übungsblatt mitgegeben, dass ich ausfüllen kann und das wir dann gemeinsam besprechen können, wenn ich möchte. Vielleicht hilft das, die Stunde ein wenig strukturierter zu gestalten. Mal gucken – ich werde verschiedene Sachen jetzt einfach mal ausprobieren. Ich werde berichten, wie es so voran geht.

Entspannung – Anspannung liegen oft dicht beieinander

Es hat den gesamten Tag so stark geregnet, dass einige Straßen bereits unter Wasser standen und ich nicht mehr Rad fahren wollte, da es auch einfach nicht aufgehört hat. Also schnell zur Bahn und ab nach Ehrenfeld: Um 17Uhr hatte ich nämlich einen Massagetermin im Kurma L. Eine Stunde Massage – das war so unglaublich angenehm, damit hätte ich nicht gerechnet. Es war keine klassische Massage, in der viel Kraft aufgewendet wird, sondern eine ganz leichte, zarte. Am Anfang hatte ich die Sorge, dass ich das unangenehm finden könnte, aber Yvonne hat das absolut klasse gemacht. Begleitet von leiser Musik, dem trommelnden Regen und dem angenehmen Duft von Minze und Lavendel, konnte ich mich komplett entspannen. Ich habe mich geborgen und gehalten gefühlt. Verstanden und angenommen. Ich habe achtsam jede Bewegung, jede Berührung wahrnehmen und genießen können und war ganz bei mir selbst. Die Migräne, die vorher sich leicht bemerkbar gemacht hat, war danach weg. Ich habe mich leicht und frei gefühlt und war irgendwie ganz bei mir. Ein sehr spannendes Gefühl, aber irgendwie schön. Das werde ich auf jeden Fall öfter machen.

Leider hielt diese Entspannung nicht an: Ich lag bereits im Bett um 21 Uhr und dachte, ich könnte noch entspannt ein Sudoku lösen oder etwas lesen, aber da klingelte es an der Tür: Meine Nachbarn: Der Keller steht unter Wasser. Oh nein… Also aufstehen, FlipFlops anziehen und ab ins Wasser. Unser Keller stand zum Glück nur so 10-15 cm im Wasser, aber dennoch waren einige Kartons hinüber und mussten gerettet werden, genauso wie einige Holzteile, die zu Lilly gehören. Danach bin ich wieder ins Bett gegangen – um den Rest kümmere ich mich heute Nachmittag. Vielleicht ist das Wasser bis dahin ja auch wieder abgelaufen.

Donnerstag, Tag 31

Und heute ist schon wieder Donnerstag, wie schnell die Zeit vergeht. Heute Nachmittag haben wir wieder Körpertherapie, darauf freue ich mich schon sehr. Heute morgen bin ich gestresst und genervt aufgewacht und habe auf dem gesamten Weg versucht mich runter zu skillen. Irgendwie steckte mir der Tag gestern noch in den Knochen und ich hatte ein bisschen zu wenig Schlaf, das macht sich bemerkbar. Aber Dank einer Achtsamkeitsübung heute früh in der Gruppe und dem Frühstück, geht es mir jetzt bedeutend besser.

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Kliniktage 36 bis 42 – 19.07. bis 25.07.2021

Schon wieder eine Woche um…HILFE, es geht zu schnell!!!

Die Zeit rast – ich komme irgendwie gar nicht mehr hinterher. Mittlerweile sind 6 Wochen vergangen und noch 6 Wochen übrig in der Klinik. Oder 8, wenn ich verlängere. Wenn ich mir das vor Augen führe, bekomme ich Angst: Wie um Himmels willen soll ich in nur 6 Wochen das lernen und verinnerlichen, was ich brauche, um ohne Klinik weiter zu machen und gesund zu werden? Je länger ich in der Klinik bin, desto sichtbarer werden für mich meine Problemfelder. Dinge, bei denen ich davon ausgegangen bin, dass das vollkommen normal ist, stellen sich als Verhaltensstörung im Rahmen einer Borderline-Persönlichkeitsstörung heraus. Wie soll man etwas ändern, dass man seit Jahren als „normal“ angesehen hat? Beziehungsweise als „zwar etwas merkwürdig und anders, als andere, aber jeder ist ja irgendwie anders. Wird schon normal sein.“ Jetzt ist es eine Verhaltensstörung, an der ich arbeiten kann und – sofern ich mein Leben verbessern möchte – sollte.

Überforderung

Manchmal werde ich überschwemmt von dem, was ich am Liebsten alles verändern würde. An anderen Tagen bin ich enttäuscht und verzweifelt, weil mir in zwischenmenschlichen Aktivitäten außerhalb der Klinik, aber auch alleine zu Hause, auffällt, was nicht gut läuft, ich aber in dem Moment nicht ändern kann. Dann hasse ich mich kurz selbst dafür und meine negativen Glaubenssätze wie „ich bin zu blöd dafür, ich schaffe das ohnehin nicht, ich bin nicht gut genug, etc“ werden sehr lauft, was selbstverständlich überhaupt nicht hilfreich ist. Zum Glück hatte ich aber gestern, Samstag, ein Gespräch mit meiner Bezugspflege die mir erklärte, dass es schon immens viel sei, dass ich es überhaupt bemerken würde. Das sei ein sehr guter Anfang. Bis sich etwas verändert, das dauere. Verhaltensänderungen benötigen viel Zeit. Aber es in der Situation zu bemerken, sei sehr gut, denn nur so könne ich mir überlegen, was ich benötige, um anders zu handeln. Tja, das weiß ich zwar immer noch nicht, aber ich sehe es jetzt als etwas positiveres an als vorher.

Ok, jetzt mal von vorne…

Die Woche war sehr ereignisreich:

Montag, 19.07.2021 – Tag 36 – schlechter Start in die Woche

Leider ging sie nicht so gut los. Montag und Dienstag ging es mir ziemlich schlecht: Ich war traurig, kraftlos, mutlos, verzweifelt und habe mich hilflos gefühlt. Kunsttherapie ist wieder ausgefallen am Montag, aber ich habe selbst wieder etwas gemalt. Das tat ganz gut und hat die Zeit schneller vergehen lassen. Die Einzeltherapie war in Ordnung, aber irgendwie habe ich da das Gefühl, es würde mir nicht so viel bringen. Ich komme mit der Therapeutin nicht so wirklich auf einen Nenner, muss es aber wohl so hinnehmen, denn wechseln kann man leider nicht.

Dienstag, 20.07.2021 – Tag 37

Am Dienstag habe ich von dem gesamten Team die Aufgabe erhalten, den Film „Alles steht Kopf“ zu gucken, in dem es um Gefühle geht. Dies deshalb, weil ich so kraftlos und verzweifelt und hilflos gewirkt habe die letzten beiden Tage, was nicht wirklich hilfreich für die Therapie ist. Ein süßer Film, nur war ich irgendwie nicht in der Verfassung, wirklich etwas für mich mitzunehmen, also werde ich ihn wohl noch mal gucken.

Mittwoch, 21.07.2021 – Tag 38 – Oberarztvisite

Am Mittwoch in der Oberarztvisite wurde ich von der Oberärztin darauf hingewiesen, dass ich meine hilflose und erschöpfte Seite nicht so nach Außen zeigen solle. Dabei ginge es nicht um Kritik und sie wisse, dass sie etwas extrem schweres fordere, aber ich solle mir dessen bewusst werden. Und vor allem solle ich verstehen, dass sich das ändern lässt. Ich müsse mich mehr um diese Seite, die Traurigkeit, kümmern, damit sie im Inneren bleibt und nicht nach Außen kommt. Nach außen käme sie nämlich nur dann, wenn ich mich nicht ausreichend um genug Erholung und innere Kindarbeit kümmere.

Donnerstag, 22.07.2021

Passend dazu war am Donnerstag die Körperpsychotherapie, in der wir verschiedene Gefühle in unserem Körper spüren und danach auf einem Papier festhalten sollten, wo in unserem Körper wir was verorten. Dabei habe ich gemerkt, dass ich ziemlich viele Gefühle in immer denselben Regionen verorte, sodass meine Skizze vor allem bunt und chaotisch war – genau so, wie ich mich oft fühle: Irgendein Gefühl ist im Körper, aber ich kann absolut nicht sagen, was es ist. Ich habe dann erzählt, dass es mir schwer falle, Gefühle einzeln zu spüren und ich entweder kaum etwas fühle, oder zu stark – mir fehlt der Weg dazwischen. Sie riet bzw. gab mir den Auftrag, mir ein kleines Kuscheltier zu besorgen, um damit besser innere Kindarbeit machen zu können. Um diese Seite so zu versorgen, dass die Gefühle nicht mehr zu stark, sondern in angemessener, erwachsener Form hervortreten können und ich sie dann auch so wahrnehmen kann. Natürlich habe ich diesen Auftrag am Donnerstag nicht mehr ausgeführt – ich war viel zu kaputt, war noch Gemüse abholen und hatte ein erstes Aufsichtsratstreffen.

Freitag, 23.07.2021

Als ich am nächsten Morgen dann in der Klinik saß, kam eine Mitpatientin zu mir und fragte, ob ich meinen Auftrag schon erledigt und mir schon eines besorgt habe – ich hatte keinen blassen Schimmer wovon sie redete und sah sie vollkommen verwirrt an. Da holte sie hinter ihrem Rücken ein kleines Etwas hervor und gab es mir: Ich habe vor Rührung und Freude fast geweint: Sie hatte mir ein kleines Tierchen besorgt. Was es ist? Keine Ahnung – Mischung zwischen Dino und Echse vielleicht? Es ist egal, denn es ist unheimlich flauschig und weich und hat mir direkt gefallen. (s. unten im Video)
Freitags war auch meine Stimmung insgesamt wieder besser – im Prinzip ging es nach der Kritik am Mittwoch bergauf, da ich versucht habe, mir zu Hause noch mehr Ruhe zu gönnen und Gutes zu tun und meine Gefühle nicht so stark nach Außen zu zeigen, was nicht wirklich einfach war und mir auch nicht immer gelungen ist.

Irritation…

Außerdem hat es mich auch verwirrt: Erst wird mir gesagt, ich solle Gefühle zulassen und nicht verdrängen, dann heißt es plötzlich, Gefühle nicht so stark nach Außen zulassen. Was ist da bitte der Unterschied zum Verdrängen?! Das habe ich am Freitag mit meiner Bezugspflege besprochen und weiß jetzt, dass es nicht um Verdrängung geht, sondern um eine bewusste Entscheidung für eine Handlung/ Reaktion in einem bestimmten Moment. Es geht darum, die Kontrolle zu behalten und nicht seinen Emotionen vollkommen ausgeliefert zu sein. Es geht darum, dass ich mich bewusst in dem einen Moment dafür entscheide, sie zuzulassen, in dem anderen Moment nicht. Das verstehe ich rein theoretisch auch, für mich fühlt sich beides momentan aber noch ziemlich gleich an. Auch wenn es das wohl nicht ist – es bedarf einfach nur mehr Übung und weiterhin viel Achtsamkeit. Ich bin gespannt, ob der Knoten da noch platzt. Den Freitagnachmittag habe ich dann noch recht aktiv mit Backen von Muffins, Keksen und Bananenbrot verbracht – das tut mir immer ganz gut. Und erst recht, dass ich jetzt jeden Morgen Bananenbrot frühstücken kann – ein kleines bisschen Freude am Morgen, so lässt es sich gut in den Tag starten

Samstag, 24.07.2021

Samstag war dann der letzte Tag meiner „14-Tage-Klinik-am-Stück“-Zeit. Ein recht erfolgreicher Tag, da ich einige Aufgaben von nächster Woche erledigt habe und mich endlich mal getraut habe, meine ganzen Unterlagen einzuordnen und zu sortieren. Das war ein kleiner Aufwand, aber ich habe es zum großen Teil bewältigt bekommen. Nachmittags habe ich mich einfach nur noch auf das Sofa gelegt und 2 Stunden einen Film geguckt und bin völlig darin aufgegangen. Das hat unglaublich gut getan, zumal sich mein schlechtes Gewissen, was ich vor einigen Wochen bzw. Monaten dabei noch bekommen hätte, sich ziemlich in Grenzen gehalten hat. Ein kleiner Erfolg also. Danach habe ich eine leckere vegane Lasagne gekocht, damit ich die nächsten 4 Abende etwas zu essen habe und mich darum nicht mehr kümmern muss. Denn ehrlich gesagt, habe ich auf kochen momentan nicht wirklich Lust. Abends war ich kurz auf einer Veranstaltung, auf der afrikanische Musik gespielt wurde, was interessant und gut war. Und danach bin ich noch eine Runde spazieren gegangen, um die meisten Gedanken aus meinem Kopf zu vertreiben, sodass ich zu Hause einfach nur müde ins Bett fallen konnte. Perfekt.

Sonntag, 25.07.2021

Und jetzt ist schon wieder fast der ganze Sonntag vorbei – das geht immer schneller als man so denkt. Heute morgen hatte ich das Gefühl, als habe ich einen mega Kater: Kopfschmerzen und Übelkeit, obwohl ich recht gut geschlafen hatte und momentan ja auch keinen Alkohol trinke. Keine Ahnung, woran das lag, vielleicht auch einfach nur Erschöpfung. Dennoch konnte ich den Tag gut für mich nutzen: Ich habe ein wenig aufgeräumt, also zumindest das gröbste Chaos beseitigt, habe mich mit einer Frau, die ich bis dahin nur über Instagram kannte, getroffen und sehr interessante und nette 1,5 Stunden bei Wassermelone und spannendem Austausch verbracht. Das war sehr schön, aber hat mich auch ein wenig angestrengt, sodass ich danach Lust auf Bewegung hatte und nach Draußen zu einem kleinen Spaziergang aufgebrochen bin, bis zum Wandelwerk, bei dem heute Live-Musik sein sollte und auch war. Ich habe eine sehr entspannte halbe Stunde bei schöner Musik in der Sonne verbracht, bevor es plötzlich wie aus Kübeln zu schütten begann. Zum Glück nur ein kleiner Schauer. Trotzdem bin ich zurück gegangen, da ich doch recht erschöpft bin und sitze jetzt zufrieden mit meinem Tag auf dem Sofa. Ich bin froh, dass ich den Tag genießen konnte, trotz Kopfschmerzen und Bauchschmerzen, denn psychisch fühle ich mich heute sehr wohl.

Mal abwarten, was die nächste Woche bringt. Ich bleibe gespannt.

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Klinik Tag 44 – Glaubenssätze

Und schon wieder ist eine halbe Woche rum, die Zeit rennt und ich komme gedanklich überhaupt nicht mehr hinter her. Momentan fühle ich mich einfach nur überfordert und kaputt und müde. Zu viele Gedanken in meinem Kopf, aber da habe ich heute von der Vertretung unserer Oberärztin einen guten Tipp bekommen, den ich mal ausprobieren möchte: Alle wiederkehrenden Gedanken zu „Pakten“ zusammenschnüren und für jedes „Paket“ entweder jeden Tag oder alle zwei Tage, 1x pro Woche oder wie oft auch immer einen Timeslot festlegen und diese Zeit dann bewusst nutzen, um über das entsprechende Thema nachzudenken. Wenn außerhalb dieses Timeslots diese Gedankean auftreten, mir selbst sagen: Ja, es ist ok und wichtig, diese Gedanken zu haben, aber nicht jetzt, sondern … Das soll helfen, mich selbst ein wenig besser zu struturieren und nicht so überfordert zu sein. Denn mein Kopf fühlt sich an als sei er so voll, dass es unmöglich ist, auch nur einen klaren Gedanken zu fassen. Diese Sortierung und das Einräumen von bestimmten Zeiten soll dabei helfen, mich mehr auf das Hier zu konzentrieren und mich nicht so zu verlieren. Mal gucken, wie das funktioniert – zunächst muss ich natürlich diese „Pakete“ schnüren, also erst einmal alle wiederkehrenden Gedanken zusammen fassen. Dafür werde ich mir morgen Vormittag Zeit nehmen, da dort keinerlei Kurse stattfinden.

Passend zu Gedanken war heute die Achtsamkeit: Es ging darum, sich ein wenig von seinen Gedanken zu distanzieren. Vor allem, von den negativen Glaubenssätzen, die jeder von uns hat.

Was sind (negative) Glaubenssätze?

Das sind Grundannahmen, die sich unbewusst in unserer Kindheit gebildet haben, da sie uns entweder von unseren Bezugspersonen so beigebracht wurden oder wir uns diese aufgrund bestimmter Verhaltensweisen unserer Bezugspersonen selbst gebildet haben. Es handelt sich dabei um Regeln, die auf irgendeine Art und Weise damals hilfreich waren, um zu überleben oder unsere Bedürfnisse erfüllt zu bekommen, uns heute aber blockieren und uns daran hindern, unser Leben so zu führen, wie wir es wollen und wie es für eine erwachsene Person angemessen wäre.

Typische Glaubenssätze/ Grundannahmen

Typische Glaubenssätze sind: „Ich bin unwichtig. Ich bin zu dumm. Ich schaffe das nicht. Ich darf nicht schwach sein. Ich darf keine Emotionen zeigen. Ich muss perfekt sein. Ich darf keine Fehler machen. Keiner mag mich. Ich muss mich anpassen. Ich darf nicht auffallen. Ich muss mich um alle kümmern. Ich bin hilflos. Ich bin nicht gut genug. Ich störe nur. Ich bin eine Belastung für alle anderen. Ich werde verlassen, wenn ich wütend werde. Etc“ Grundannahmen gibt es in allen möglichen Facetten und jeder hat solche in sich drin – manche mehr, manche weniger und vielen ist das gar nicht bewusst, wie oft sie nach diesen Regeln unbewusst täglich handeln und wie sehr sie uns blockieren können.
Neben den negativen Glaubenssätzen gibt es natürlich auch Positive, die unsere Bezugspersonen uns mitgegeben haben, nur machen diese uns keine Schwierigkeiten, sodass sie nicht thematisiert werden.


Nun magst du dich fragen, wie zum Beispiel „ich bin hilflos“ jemals hilfreich war? Wenn du bei Eltern aufgewachsen bist, die vielleicht sehr selbstbezogen waren und sich nur dann um dich gekümmert haben, wenn es dir schlecht ging, dann war es notwendig für dich, dich hilflos zu verhalten, damit du dein Bedürfnis nach Liebe und Geborgenheit erfüllt bekommst. Wenn du den Glaubenssatz hast „Ich muss perfekt sein“, dann zeigten deine Eltern dir wohlmöglich nur bei Erfolgen genug Aufmerksamkeit, während du bei Fehlern bestraft wurdest. Wenn kein Raum für deine Emotionen war oder deine Eltern genervt reagiert haben, wenn du Emotionen gezeigt hast, hast du vielleicht gelernt, dass du keine Emotionen zeigen darfst. Etc. Für alle diese Sätze gibt es eine Erklärung, weshalb sie für uns als Kind dienlich waren. Nur sind sie es jetzt absolut nicht mehr.

Glaubenssätze umformulieren


Um sich nun also von diesen Gedanken ein wenig zu distanzieren, kann man folgende Methode anwenden:

Sobald ich merke, dass mein Gehirn mir einen dieser Glaubenssätze vorgibt, formuliere ich ihn dergestalt um, dass meiner Psyche bewusst wird, dass es nur ein Gedanke, nicht die Wahrheit ist:
„Ich bin zu dumm“ wird zu „Ich bemerke, ich habe den Gedanken, ich bin zu dumm„. Alternativ: „Ich bewerte mich als zu dumm.“
Dadurch gewinnen wir ein wenig Abstand zu dem Gedanken und können erkennen, dass es sich eben NICHT um die Wahrheit, sondern ausschließlich um einen Gedanken handelt. Wenn ich jetzt schon sehr weit bin, kann ich den Satz auch noch in einen positiven Glaubenssatz umwandeln und diesen an seine Stelle setzen: „Ich bin gut genug! Ich bin klug!“ oder etwas ähnliches.

Ganz abgesehen davon ist es ohnehin eine gute Idee, sich mit seinen negativen Glaubenssätzen zu beschäftigen und mal zu beobachten, wann diese im Alltag aktiv werden und somit dafür sorgen, dass du dich wie ein Kind deinem Gegenüber verhältst und Situationen vollkommen falsch bewertest, einfach nur, weil dein alter Glaubenssatz aktiv geworden ist. Schreibe doch mal alle auf, die dir einfallen und wandele sie in positive um. Das hilft ungemein! Bei Problemen dabei, helfe ich dir gerne, wende dich einfach per Mail an mich!
Und damit sich die Sätze dann wirklich in dein Unterbewusstsein einprägen und eine Änderung hervorrufen, ist es hilfreich, sich diese täglich mehrfach aufzusagen. Am besten stellst du dich dabei vor einen Spiegel, siehst dir selbst in die Augen und sagst mit einer festen Stimme, der du glaubst, deine neuen Sätze auf. Das ist am Anfang sicherlich ein wenig befremdlich, aber mit der Zeit gewöhnst du dich daran!

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Kliniktag 47 und 48 (Freitag und Samstag)

Heute ist Samstag und ich habe keine Klinik, erst Morgen wieder. Gestern Abend war ich auf einer Feier und das war eine große Herausforderung für mich im Voraus, welche ich im Nachhinein gut gemeistert habe.

Warum? Zum Einen sind viele Menschen dort, die ich nicht kenne. Was soll ich mit denen reden? Worüber mich unterhalten? Ich habe keine Lust wieder über die Störung zu reden. Was mache ich, wenn wer fragt, was ich beruflich mache? Was mache ich, wenn mich das Thema total nervt und langweilt, ich mich aber nicht traue, woanders hinzugehen? Was, wenn alles zu laut, zu viel ist? Was wenn mir Bier angeboten wird und ich gefragt werd, weshalb ich es nicht trinken möchte? Weshalb ich gar keinen Alkohol trinke? Kann ich überhaupt auf ein Fest ohne Alkohol – mit ist es doch viel einfacher?

Vorbereitung

Fragen über Fragen. Ängste, Sorgen, Unsicherheit. Zum Glück hatte ich gestern mein Bezugspflegegespräch und wir haben gemeinsam eine Vorbereitungsliste ausgearbeitet:

  1. Damit ich nicht auf Alkohol zurück greife, ist es sinnvoll, mir mein Lieblingsgetränk vorab zu kaufen und mitzunehmen. Na klar, ich könnte auch dort einfach Limo oder so trinken, aber dann meldet sich meine Essstörung und erklärt mir, wie viele Kalorien da drin stecken und das belastet mich dann auch. Also lieber etwas kaufen, mit dem ich umgehen kann.
  2. Genug vorab essen und etwas mitnehmen, damit ich auf keinen Fall Hunger bekommen – denn je mehr Hunger ich habe, desto mehr Lust auf Alkohol bekomme ich. Vorsorgen!!
  3. Bedarfsmedikation einnehmen – das habe ich bereits am Nachmittag gemacht. Die ist sehr niedrig dosiert und wirkt beruhigend. Wenn die innere Anspannung nicht so stark ist, ist so eine Feier besser auszuhalten.
  4. Skills einpacken – in meiner Jackentasche hatte ich meinen Igelball, den Rest in meiner Tasche. Gebraucht habe ich sie aber nicht wirklich.

5. Hübsch machen und schminken: Mir selbst etwas gutes tun, das hebt das Selbstbewusstsein. Musik an, Zeit nehmen und schick machen. Das hat direkt zu guter Laune geführt, auch wenn ich mich sehr merkwürdig geschminkt gefühlt habe.

6.Merken: ICH entscheide, wie lange ich bleibe. Ich lasse mir den Abend NICHT durch meine Störung verderben!!

Ergebnis

Die Feier war ein großer Erfolg für mich: Ich hatte tatsächlich Spaß, habe mich mit einem alten Bekannten viel unterhalten, habe viel gelacht und konnte den Abend genießen!! Und ich war sogar bis 24h dort, was für mich extrem lang ist, da ich normalerweise gegen halb 9 ins Bett gehe. Ich habe mich an die Vorbereitungen gehalten, habe mir vor Augen gehalten, warum ich das alles tue und bin stolz, dass es so gut funktioniert hat!! Auch wenn ich heute wieder Migräne habe und absolut nicht verstehe, weshalb, so geht es mir psychisch dennoch gut!

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Klinik Tag 52 – Donnerstag, 05.08.2021

Mittlerweile bin ich seit über 7 Wochen in der Klinik. Seit 52 Tagen, um genau zu sein. Und täglich frage ich mich, ob es etwas bringt. Ob es besser wird. Ob es etwas verändert. Ob sich das alles lohnt. Aber das sind natürlich wenig hilfreiche Fragen und Gedanken, denn NATÜRLICH verändert sich etwas – allein dadurch, dass ich jeden Tag hier hin gehe. Neuen Input bekomme. Übungen mache, die ich vorher nicht gemacht habe. Es in einer großen Gruppe aushalte. Den Lärm, die Gerüche, die Menschen, die Stimmen. Indem ich eben nicht alleine zu Hause sitze, sondern eine feste Struktur habe. Indem ich verschiedenen Situationen ausgesetzt werde. Auch wenn ich an manchen Tagen das Gefühl habe, fast nichts mitzubekommen, weil mein Kopf zu voll ist, ich zu müde oder ich irgendwo in Gefühlen und innere Anteilen gefangen bin, die es mir nicht möglich machen, Neues aufzunehmen. Und dennoch plagen mich Zweifeln, wenn dann so Tage wie gestern dabei sind:

Ein Tag zum (Ver-)zweifeln – Mittwoch, 04.08.2021:

Nachmittags hatten wir zwei Kurse: DBT-Gruppe und Achtsamkeit

Hallo Scham

In der DBT-Gruppe hat eine*r aus unserer Gruppe zu Beginn die Aufgabe, eine Achtsamkeitsübung für alle durchzuführen – ich war dran. Ich hatte mich im Voraus viel damit beschäftigt und mich schlussendlich für eine Imaginationsübung entschieden, in der es darum ging, sich wie ein Vogel zu fühlen und auf sich selbst herunter zu gucken. Schon bei der Vorbereitung war ich nicht so begeistert von der Übung. In Ermangelung einer besseren, bin ich aber dabei geblieben. Während ich diese Übung vorgelesen habe, bemerkte ich, dass ich immer unsicherer wurde und mir Gedanken wie: „Du hättest dich viel besser vorbereiten müssen! Das ist doch eine total blöde Übung, was denken jetzt die anderen? Du hast dich nicht genug bemüht! Wie dumm kann man nur sein. Das ist nicht gut genug. Das ist schlecht! Etc.“ durch den Kopf gingen, was mich noch mehr verunsichert hat. Nach der Beendigung der Übung wurden dann Rückmeldungen gegeben, die recht positiv waren. Dennoch hatte ich große Schwierigkeiten, den anderen in die Augen zu gucken – zu sehr geschämt habe ich mich für meine Übung. Ich wäre am liebsten im Boden versunken oder hätte den Raum verlassen, aber das geht natürlich nicht. Irgendwo tief in mir drin war mir durchaus auch bewusst, dass dies wohl kein angemessenes Gefühl/ keine angemessene Reaktion meinerseits ist, sondern es sich um eine Emotion aus dem zweiten emotionalen Netz handelt. Dass es sich um ein vergangenes Erleben handelt. Trotz dieses Wissens, konnte ich mich jedoch nicht frei machen von dem Gefühl der Scham. Auch nicht, nachdem ich dies in der Gruppe als Rückmeldung gegeben habe. Vielmehr kamen dadurch Gedanken wie: „Wie kann es sein, dass du dich dafür schämst? Jetzt denken die anderen erst recht, dass du total dumm bist. Wieso kannst du das Gefühl nicht kontrollieren? Wieso kannst du es nicht abschwächen? Wie peinlich, das jetzt hier in der Gruppe anzusprechen. Etc.“ Nicht hilfreiche Gedanken. Ich habe sie bemerkt und versucht, mit entgegengesetzten Gedanken zu arbeiten. Dennoch hat es eine gute Weile gedauert, bis ich mich befreien konnte aus dem unangenehmen Gefühl und auch jetzt, einen Tag später, kann ich es noch spüren, wenn ich an die Situation zurück denke.
Und dann kommt mir weitere Gedanken: Müsste ich es nicht langsam besser wissen?! Bin ich nicht deshalb hier?! Doch ich versuche sie dasein zu lassen, ihnen aber keine große Aufmerksamkeit zu schenken, keinen hohen Stellenwert einzuräumen. Denn es sind nur Gedanken! Sie kommen und sie gehen. Es ist NICHT die Wahrheit.

Hallo Pseudohalluzination – ich dachte, unsere Zeit sei vorbei…

Die Achtsamkeitsstunde war noch anstrengender: Es ging um das „Sehen“, das „Beobachten“. Wir sollten 2 Minuten lang den Raum um uns herum achtsam betrachten. Ohne zu beurteilen oder zu bewerten. Einfach nur gucken, was wir sehen, was wir beobachten können. Die ersten paar Sekunden war das für mich in Ordnung. Dann merkte ich, wie mein Herzschlag stärker und schneller wurde und sich in meinem Kopf leichter Schwindel bildete. Ich atmete bewusst tief ein und aus und sagte mir, dass alles in Ordnung sei. Ich keine Angst zu haben brauche. Es nichts gebe, wovor ich mich fürchten müsse. Kurz wurde es besser, doch dann kam die Angst zurück. Ich fing zusätzlich an, an den Händen zu schwitzen. Gleichzeitig wurde mir kalt und ich zitterte leicht. Wieder versuchte ich mich zu beruhigen. Meinen Blick auf die Gegenstände zu konzentrieren, nicht zu denken, nur zu beobachten. Es wurde wieder kurz besser, bis mein Blick auf die Heizkörper in dem Raum fiel: Sie sind mit jeweils zwei Schrauben an der Wand befestigt und plötzlich waren die Schrauben dabei sich in Augen zu verwandeln und die Heizkörper fingen an zu bedrohlichen Wesen zu mutieren. Mein Kopf schrie: NEIN!! Und ich habe direkt reagiert und mir Ammoniak unter die Nase gehalten – sofort war ich wieder im Hier und Jetzt. Ich war total frustriert: Eine Pseudohalluzination hatte ich seit Januar nicht mehr – was soll das jetzt?! Soll es mir hier nicht besser gehen?! Soll es nicht alles leichter werden!? War für ein Mist! Frust, Wut, Trauer – alles vereint. Und immer noch leichtes Zittern. Aber, so sagte ich mir: Immerhin habe ich es rechtzeitig geschafft mich da raus zu holen. Bevor es schlimmer wurde. Ich konnte reagieren und ich habe reagiert. Vielleicht ist das der Fortschritt. Es wahrzunehmen, zu erkennen und sogar zu reagieren. Ein Schritt nach dem anderen. Nach vorne.

Nachwirkungen

Dennoch hat mich diese Episode mitgenommen. Mein Körper war angespannt und meine Beine schmerzten leicht. Unwohlsein im ganzen Körper. Den Drang zu rennen, zu laufen, mich auszupowern, um das überschüssige Adrenalin los zu werden. Zum Glück war ich mit dem Fahrrad in der Klinik – der Rückweg tat mir dementsprechend gut. Dennoch hatte ich noch abends und nachts leicht unruhige, schmerzende Beine.

Donnerstag

Und heute ist schon wieder Donnerstag. Die Woche vergeht schnell. Leider ist die Körpertherapeutin im Urlaub, dass wir heute keinerlei Kurse haben – viel Zeit zum Hausaufgaben machen, Nachdenken, Malen oder zum Schreiben. Mir geht es nicht so gut. Ich bin total nervös, meine Beine sind unruhig und schmerzen immer noch leicht. Ich bin unruhig. Und gleichzeitig total erschöpft und müde. Mein Kopf fühlt sich an wie Brei – Gedanken festzuhalten scheint unmöglich. Klar zu denken, scheint unmöglich. Ich möchte rennen und gleichzeitig mich möglichst gar nicht bewegen. Ich bin gereizt und genervt, traurig und wütend. Nervös und hibbelig. Müde und unter Anspannung. Wie anstrengend!! Ich habe das Gefühl, dass ich seit ein paar Tagen wieder anfange, für mich negative und unangenehme Gefühle zu verdrängen, weiß aber nicht, ob das stimmt, oder ob einfach weniger auftreten. Aber wenn ich gucke, wie es mir gerade geht, spricht eher mehr für die Verdrängungstheorie. Warum ich das tue? Ich weiß es nicht. Es passiert unterbewusst, nicht bewusst. Vielleicht weil ich müde bin. Oder einfach genug von den negativen Sachen habe und gerade mich lieber auf positive konzentriere. Oder es sind zu viele negative Dinge und ich habe Angst, in ihnen zu versinken. Nur, dass das zur Anspannung führt, ist wenig hilfreich. Hilfreicher wäre das Zulassen. Doch irgendetwas in mir drin weigert sich beharrlich.

Was hilft?

Schreiben hat mir jetzt ein wenig geholfen, um mich ein wenig abzulenken. Aber das Unwohlsein bleibt. Vielleicht male ich gleich noch etwas. Ich habe meine Aquarellsachen mitgebracht und das Bild, welches ich im offenen Atelier male, mit in den Gruppenraum genommen. Es ist also alles hier, was ich brauche. Oder ich gehe doch noch eine Runde spazieren. Ich weiß es noch nicht. Mal gucke. Und mal sehen, was der Rest des Tages und der Woche noch so bringt.

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Klinik Tag 59 – Donnerstag, 12.08.2021

Manchmal gibt es Tage, da geht einfach nichts mehr. Gestern war so einer. Ich bin schon erschöpft aufgewacht. Gereizt, genervt, müde und den Tränen nahe. Warum? Keine Ahnung, ich konnte es nicht zuordnen. Vielleicht hatte es was mit den Aufgaben die Tage vorher zu tun, da ging es viel um Ziele, schädliche und hilfreiche Beziehungen/ Freundschaften, neue Beziehungen/ Freundschaften finden und aufbauen. Themen, die mich seit mehreren Jahren begleiten und sehr belasten.

Ziel? Was ist das?

Denn: Ich weiß nicht, welche Ziele ich habe. Ich weiß nicht, was ich erreichen will, was ich machen will, wohin die Zukunft mich führen soll. Aber jeder Mensch braucht doch Ziele? Ja, das mag sein, aber was, wenn man sie nicht finden kann? Was, wenn man sich hilflos fühlt, aber gesagt bekommt: „Übernimm die Verantwortung für dich. Probiere etwas aus. Was macht dir denn Spaß?“ Natürlich ist das sinnvoll, aber manchmal fehlt mir dazu einfach die Kraft. Denn es erfordert Kraft, jeden Tag aufzustehen. Zähne zu putzen, Frühstück zu machen, mich anzuziehen, Sachen packen und los zu gehen zur Klinik.

Ort zur Selbsthilfe – warum wehrt sich mein Unterbewusstsein?!

Die Klinik, ein Ort, an dem ich lernen soll und will, mir selbst zu helfen. Und doch überfordert es mich regelmäßig. An guten Tagen verstehe ich, dass das alles Sinn macht. Dass es sinnvoll ist zu üben, wenn mein Leben besser werden soll. „Lebenswerter“, wie es hier genannt wird. Wenn ich mein Leben in den Griff bekommen will. Wenn ich lernen möchte, nicht von den Gefühlen überschwemmt zu werden. Und dennoch oder gerade auch wegen dieser Themen, ist mein Gehirn mit Nebel verschleiert. Macht es mir unmöglich, klare Gedanken zu fassen. Oder zumindest extrem schwer. Es ist ein harter Kampf, Gedanken zusammen zu bringen. Sie festzuhalten und nicht direkt wieder zu vergessen. Gestern morgen habe ich sogar meine Medikamente vergessen. Das erste Mal in den 9 Wochen hier. Und das Medikamentendöschen gleich mit. Und meine Maske. Zum Glück hatte ich noch eine in den tiefen meines Rucksacks. Ich habe einfach nicht daran gedacht bzw. mir es nicht lange genug merken können. Mein Kopf fühlt sich an wie ein Sieb, in dem alles hindurch rinnt. In der Mitte nur Nebel, an den Rändern nur Löcher. Warum ist das so? Wovor möchte mein Unterbewusstsein mich schützen? Womit möchte sich mein Unterbewusstsein nicht beschäftigen? Warum wehrt sich mein Inneres so? Entweder mit dem Nebel, oder mit Migräne, oder mit Magenschmerzen. Irgendwas ist immer. Ich komme mir schon total blöd vor, weil ich immer irgendein Leiden habe. Aber ich weiß mir einfach nicht zu helfen. Schaffe es nicht, mich daraus zu befreien. Schaffe es nicht, Oberwasser zu gewinnen. Und dennoch, gibt es ab und zu diese guten Tage, an denen ich es schaffe, die „Königin meiner Gefühle“ zu sein, wie ich es hier lerne. In denen ich Verantwortung übernehmen kann und übernehme. In denen ich genießen kann und mir Dinge Spaß machen. Trotz Nebel im Kopf.

Emotions-Tsunamie

Und dann gibt es solche Tage wie gestern. Tage, an denen ich einfach nicht mehr weiß, wie ich es jemals schaffen soll, mich aus den Fängen der Störung zu befreien. Wie ich die Kraft aufbringen soll, immer und immer wieder aufzustehen und weiter zu machen. Tage, an denen ich einfach überrollt werde von Emotionen, von Gefühlen. Emotionen, die so stark sind, dass ich es körperlich fühle. Dass mein Kopf nur noch schreit: „Hör‘ auf!! Lass mich in Ruhe!!“ Ich kann nicht mehr aufhören zu weinen, bekomme nur schwer Luft. Versuche mich zu orientieren, bewege mich, versuche die Gefühle abzuschütteln, abzuklopfen, aber sie kommen immer und immer wieder. Ausgelöst durch eine Nichtigkeit. Eine von mir als ungerecht empfundene Situation, die den Tropfen darstellte, der das Fass zum Überlaufen brachte. Wobei „überlaufen“ sich nach langsamen Tröpfeln anhört. Es war aber mehr ein Schwall, der herauskam. Ein Schwall undefinierbarer Emotionen. Ein Tsunamie. Ein Emotions-Tsunamie. Verzweiflung. Ein Aufbäumen meines Inneren, dem ich mich nicht entziehen und das ich nur schwer aushalten konnte. Die Welle riss mich mit, ließ mich nicht los. Die Schwester gab mir Chili-Lollies, einen Igelball, Ammoniak und dann die Aufgabe, von 500 in 3er Schritten rückwärts zu zählen. Bis es besser werde. Ich bin draußen auf dem Klinikgelände im Kreis gelaufen und habe gezählt. Immer und immer wieder habe ich vergessen, wo ich beim Zählen war, wurde von der Welle unter Wasser gedrückt, musste mich nach oben kämpfen und von vorne anfangen. Für kurze Momente bekam ich den Kopf über Wasser, konnte Luft holen, durchatmen, bevor die nächste Emotionswelle mich wieder mit sich riss und hinab zog. „Zähl‘ weiter!“, dachte ich. „Nicht stehen bleiben, weiter laufen. Immer in Bewegung bleiben. Stehen bleiben macht es schlimmer.“ Ein Mantra, das in meinem Kopf ablief, wenn ich wieder von einer Welle gepackt wurde und stehen blieb oder den Drang zum Hinsetzen verspürte. Wenn ich vergaß zu zählen. Wenn ich nicht weiter wusste. Wenn die nicht hilfreichen Gedanken wie: „Aufhören! Ich kann nicht mehr! Warum ich?!“ durch meinen Kopf schossen. Einfach weiterzählen. Ich ging und ging. Immer im Kreis. Ohne nachzudenken. Zählte laut vor mich hin. Bis die Phasen zwischen den Wellen immer länger wurden. Nach einiger Zeit ging ich zurück – jegliches Zeitgefühl hatte ich inzwischen verloren. Wie sich herausstellte, war ich fast 40 Minuten draußen gewesen – die Pflege hatte schon auf mich gewartet. Leider kam die nächste Welle direkt, als ich zurückkam und gefragt wurde, ob wieder alles in Ordnung sei. Offenbar nicht. Also ging es weiter: Ich habe Eispacks für den Nacken und das Handgelenk in die Hand gedrückt bekommen und den Auftrag bekommen, die Deckenfliesen zu zählen. Oder wie auch immer man das nennt. Immer eine Reihe nach der anderen. Auf der gesamten Station. Alles merken und zusammen rechnen am Ende. Immer wieder kam ich raus, versuchte mir verzweifelt, die Zahlen zu merken und nicht von einer erneuten Welle überspült zu werden. Nahm undeutlich war, dass die anderen nach Hause gingen, zählte weiter. Und zum Glück wurde es langsam aber sicher besser. Nicht, dass die Wellen komplett aufhörten, aber soweit, dass ich dachte, ich schaffe es jetzt nach Hause. Mittlerweile war es 15:50Uhr. Eine Stunde habe ich gebraucht, um so weit zu kommen. Um wieder halbwegs klar hier anzukommen, mich zu sortieren. In der Lage zu sein, meine Sachen zu packen und nicht mehr von der Welle hinunter in die Tiefe gezogen zu werden. Ich habe es nach Hause geschafft und was gegessen. Mich ausgeruht auf meiner Shakti-Matte, weil ich mich vollkommen erledigt gefühlt habe. Dennoch angespannt. Auch nach 30 Minuten liegen und 40 Minuten schlafen. Also habe ich mich dazu gezwungen, noch einen Sportkurs hinterher zu machen. 30 Minuten Bodycombat, so gut es eben ging. Und dann noch 20 Minuten oder so Yoga zum Herunterkommen und dehnen. Das tat sehr gut. Der Druck war danach deutlich weniger. Um mir im Anschluss noch bewusst etwas Gutes zu tun – so wie ich es gelernt habe -, habe ich mir Bananenpancakes gemacht und mit Ahornsirup übergossen. Ein wenig Soulfood. Das macht glücklich!! Pancakes nur aus Banane, Buchweizenmehl, Haferflocken und Pflanzenmilch!! Und dann viiiiiiiiel Ahornsirup. Und Apfelmus. Und Eis. Man muss sich auch mal etwas gönnen. Danach hatte ich das Gefühl, mich hinlegen zu wollen, aber es war noch relativ früh. Also habe ich mich dazu bewegt, mich noch mal an den Schreibtisch zu setzen und an meinem Bild weiter zu malen, dass ich extra für diese Zwecke aus der Klinik mitgenommen hatte. Aquarell. Helle Farben. Auch das tat mir gut. Dennoch war ich froh, als ich endlich im Bett lag, auch wenn es lange dauerte, bis ich in den Schlaf gefunden habe.

Was war daran positiv?

Ich habe den Tag überstanden. Ich habe es geschafft mich runter zu regulieren, auch wenn es sehr lange gedauert hat und ich Hilfe benötigt habe. Dennoch war ich es, die gezählt hat, die gelaufen ist, die sich bewegt hat, die gekämpft hat. Und vor allem habe ich es geschafft, mir noch etwas Gutes zu tun und nicht einfach die Decke über den Kopf zu ziehen und mich im Bett zu verkriechen. Das ist vermutlich die größte Errungenschaft.

Neuer Tag, neues Glück

Heute geht es mir deutlich besser. Ich spüre immer noch eine Anspannung und eine Traurigkeit. Ich bin müde und will ins Bett. Meine negativen Gedanken sind laut und kreisen. Ich frage mich nach dem Sinn der Klinik. Danach, wie ich weiter machen soll. Danach, wie ich weiter machen kann. Was ich mir zutrauen kann – aber auch sollte. Wo meine Grenze liegt. Aber mein Unterbewusstsein wehrt sich stur gegen diese Gedanken. Der Nebel im Kopf wird dicker. Ich bin unfähig, eine Entscheidung zu treffen. Unfähig, in meine Zukunft zu blicken. Unfähig, mir andere Gedanken zu machen als: „Steh‘ auf, gehe zur Klinik, stehe den Tag durch und gönne dir noch irgendetwas Gutes zu Hause, bevor du dich ins Bett legst.“ Das nimmt meine ganze Aufmerksamkeit, meine ganze Konzentration in Anspruch. Ich versuche zu akzeptieren, dass es momentan so ist. Es fällt mir schwer. Aber zumindest kann ich mir auch schöne Dinge gönnen: Ich freue mich, heute Abend wieder zur Massage zu gehen und es mir eine Stunde einfach gut gehen zu lassen!

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Klinik Tag 66 – Donnerstag, 19.08.2021

Und wieder ist eine Woche vorbei – das geht doch immer schneller, als ich mir das so vorstelle. Ich sitze in der Klinik und schreibe diesen Text, da heute kaum etwas stattfindet. Die Therapeutin für Körpertherapie ist diese Woche noch im Urlaub.

Viele Veränderungen – neue Gruppenstruktur, neue Therapeutin, neue Bezugspflege

Diese Woche gab es viele Änderungen in der Klinik: 3 Patient*innen sind gegangen, demnach bekommen wir 3 neue, von denen bereits 2 da sind. Dadurch muss sich die Gruppe natürlich erst einmal wieder neu sortieren und neu finden – der Austausch von 1/3 ist doch nicht so ohne. Hinzu kommt für mich, dass meine Einzeltherapeutin im Urlaub ist, ebenso wie meine Bezugspflege. Das bedeutet, dass ich für 3 Wochen einer anderen Therapeutin und einer anderen Schwester zugeteilt wurde. In Bezug auf die Therapeutin bin ich sehr froh, da ich mit meiner Einzeltherapeutin hier nicht gut zurecht komme, mir die Therapie in dem Bezug also nicht so viel bringt. Mit der Vertretung hatte ich bislang ein kurzes Gespräch und habe mich direkt gut aufgehoben und verstanden gefühlt. Außerdem fühle ich mich dadurch ein wenig bestärkt darin, dass es eben nicht an mir, sondern an der Verbindung zwischen mir und meiner Therapeutin liegt. Es liegt nicht daran, dass ich mich innerlich verschließe und weigere oder sonst irgendetwas bewusst oder unbewusst tue, um die Therapie zu behindern. Es liegt daran, dass ich mir ihr und ihrer Art der Therapie einfach nicht zurecht komme. Somti bin ich froh, jetzt für 3 Wochen mit der Vertretung ins Gespräch kommen zu dürfen.
Auch mit der Schwesternvertretung komme ich gut zurecht, es sind wirklich alle sehr nett und hilfsbereit. Ich erhalte dadurch noch einmal komplett neue Vorschläge für Herangehensweisen, da die Vertretung an die Fertigkeiten- und Wochenprotokolle, die wir jeden Tag ausfüllen müssen, anders herangeht als meine Bezugspflege. Auch wenn es mich stark verunsichert und ein wenig überfordert, so denke ich doch, dass es nur hilfreich sein kann.

Was war Positiv die letzten Tage?

Die Stimmung und Anspannung der letzten Woche hängen noch ziemlich nach und wenn ich es genau nehme, ist es erst heute ein wenig besser.

Aber dennoch habe ich es geschafft, ein paar positive Sachen zu integrieren:

Eine meiner Aufgaben für nächste Woche: Verlängerung +/- ?!?!?!?

Eine Aufgabe, die mir noch ein wenig Magenschmerzen bereitet, ist, dass ich in den nächsten Tagen entscheiden muss, ob ich verlängere oder nicht. Egal wie ich mich entscheide, ich muss das begründen. Im Prinzip verlängern die meisten hier, aber dennoch bin ich momentan verunsichert, ob ich das möchte, ob es mir was bringt. Auf der anderen Seite ist vielleicht das dann genau der richtige Zeitpunkt, um zu verlängern und mir selbst die Möglichkeit zu geben, das Chaos und die Unsortiertheit, die momentan die Oberhand haben, ein wenig zu sortieren.

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Freitag, 27.08.2021 – Klinik Tag 74

Was für eine Woche – sie ging mal wieder schneller vorbei, als ich mitkomme. Ich habe das Gefühl, die Zeit rast und ich tue nichts, außer hinterher zu hechten, ohne Zeit für irgendetwas anderes zu haben. Ein merkwürdiges Gefühl. Unangenehm.

Wie verlief die Woche so?

Ich würde sagen, die Woche verlief sehr gemischt, aber eher hin zu „nicht soooo gut“. Ich bin extrem erschöpft und müde. Das ging jetzt so weit, dass ich teilweise unangenehme Gefühle in den Armen verspüre, wenn ich mich zu schnell bewege. Oder aber auch meine Leggings verkehrt herum anziehe und es den gesamten Tag bis abends nicht bemerke.

Aber von vorne.

Sonntag, 22.08.2021, Klinik Tag 69 – Schlaf, Schlaf und…. Schlaf!

Den Sonntag über war ich zu Hause und habe ihn fast komplett im Bett verbracht: Ich war so kaputt, dass ich immer wieder in einen fieberartigen Schlaf gefallen bin: Unruhig und mit vielen Träumen versehen. Ich weiß dann regelmäßig nicht, ob ich wach bin oder nicht. Denke dann, dass ich wach bin, aber bin unfähig meine Augen zu öffnen, egal wie sehr ich mich anstrenge. Bin dann wieder am Schlafen und wenn ich aufwache, brauche ich kurz um herauszufinden, wo ich mich überhaupt befinde.

Allerdings musste ich am Nachmittag dann doch mal raus: Da die Inzidenzzahlen offenbar wieder nach oben gehen, müssen wir in der Klinik jetzt 2x pro Woche einen negatives Corona-Test-Zertifikat vorweisen. Also musste ich noch mal raus, um mich testen zu lassen. Vielleicht ist das auch nicht verkehrt – so war ich zumindest 20 Minuten an der frischen Luft, das schadet ja nie.

Montag, 23.08.2021, Klinik Tag 70 – Neue Woche

Am Montag war ich abends wieder beim Yogakurs, den ich vor 3 Wochen angefangen habe. Leider war es für mich dieses Mal nicht so entspannend, da ich sehr unruhig und angespannt war und meine Gedanken hin und her geflogen sind. Dennoch tat es gut, dass ich mich für diese 1,5 Stunden bemüht habe, mich auf meinen Atem zu konzentrieren. Und ich war froh, dass ich es – trotz inneren Kampfes – geschafft habe, hinzugehen. In der Klinik hatte ich nachmittags Einzeltherapie, in der es um die Verlängerung ging und die mir im Hinblick auf die Entscheidung gut weiter geholfen hat.

Dienstag, 24.08.2021, Klinik Tag 71 – Endlich wieder Entspannung

Am Dienstag hatten wir das erste Mal seit 3 Wochen wieder Entspannung, da unsere Therapeutin wieder da war. Das tat ganz gut, war aber auch etwas merkwürdig: Einerseits konnte ich mich recht gut von dem Raum lösen und in meinen Gedanken bzw. beim Atem sein, andererseits wurde mir irgendwann übel und ich hatte das Gefühl, auf einem Schiff zu sein, alles schwankte. Das hielt noch eine Weile so an, bis ich nachmittags eine „Innere-Kind-Meditation“ zum inneren Zaubergarten gemacht habe, die gut tat und irgendwie dafür gesorgt hat, dass mir deutlich weniger schwindelig war. Wie auch immer das funktioniert hat – ich war froh, dass es so war. Zu Hause habe ich dann noch eine Runde Yin Yoga gemacht. Das ist Yoga, welches auf Entspannung und Einklang ausgerichtet ist, bei dem man entspannende Positionen lange hält.

Mittwoch, 25.08.2021, Klinik Tag 72 – Verlängerung, here I come

Verlängerung – Fortschritte und Ziele

Der Mittwoch war dann noch mal sehr aufregend und emotional anstrengend: Es stand die Oberarztvisite an, bei der es um die Verlängerung ging. Vorab habe ich das Formular dafür ausfüllen müssen, auf dem die bisherigen Fortschritte festgehalten wurden. Es war schon schwierig, mich mit den Fortschritten zu beschäftigen, da es keine riesigen, deutlich sichtbaren sind, sondern eher kleine, versteckte, die man suchen muss und wo man genau hin gucken muss.

Außerdem muss man sich überlegen, was man in den 2 zusätzlichen Wochen erreichen möchte. Das hatte ich zum Glück mit meiner Therapeutin am Montag ausgearbeitet. Da ich seit 1 bis 2 Wochen extrem orientierungslos, verwirrt, vergesslich bin und mit sehr wenig Konzentration zu kämpfen habe, gilt es jetzt, dass ich herausfinde, wie ich diesen Zustand verbessern kann. Denn, wie ich herausgefunden habe, ist es nicht das erste Mal, dass ich mich an diesem Punkt befinde. Wenn man es genau betrachtet, war ich bei 3 von den 4 Klinikaufenthalten in den letzten vier Jahren und bei meiner beruflichen Reha an genau diesem Punkt und musste immer an diesem Punkt gehen. Danach habe ich lange gebraucht, um mich wieder zu sammeln, nur um dann erneut in eine Klinik zu gehen und dort wieder an diesen Punkt zu kommen, an dem ich einfach nicht weiter komme. Irgendetwas in mir drin blockiert, aber ich weiß nicht was es ist und ich weiß nicht, wie ich dem begegnen kann. Ich hoffe, dass ich in den letzten 3 Wochen nun die Möglichkeit und Unterstützung bekomme, herauszufinden, was dem zugrunde liegt, damit ich nicht länger in diesem Teufelskreis stecken bleibe. Denn das zehrt extrem an den Kräften und Nerven und ist nicht wahnsinnig hilfreich in Bezug auf Vertrauen in eine Verbesserung und Genesung. Aber immerhin habe ich dieses Problem erkannt und versuche jetzt vor allem, die Tage so zu gestalten, dass ich in der Klinik nicht zu viel mache, regelmäßig mal raus gehe, um so Pausen von der Gruppe zu haben und bemühe mich, jeden Tag zu Hause mich ein wenig zu erholen – wenn möglich auch aktiv durch Yin Yoga oder Massage bzw. Rollen mit der Faszienrolle.

Hauptziel: Selbstfürsorge

Außerdem durfte ich am Mittwoch früher nach Hause, weil ich so kaputt war und nach der Klinik in der Regel die Kraft kaum mehr aufbringe, mich noch ordentlich um mich selbst zu kümmern. Also habe ich vereinbart, dass ich früher nach Hause gehe und diese Zeit dann für das Yin Yoga und Massage mit dem Massagegerät verwende, was ich auch getan habe, wobei ich vorher einen ziemlichen Kampf mit mir ausfechten musste. Denn natürlich hat mir mein Gehirn erklärt, was ich nicht alles viel „Sinnvolleres“ stattdessen tun könnte, z.B. endlich mal aufräumen, oder mal essen kochen oder Wäsche waschen etc. Aber ich habe mich nicht ablenken lassen und war danach echt froh, da mir die Ruhe gut tat.

Alkohol ist auch keine Lösung

Abends hatte ich Besuch von einem Freund und seiner Freundin und wir waren in „unserer Bar“ (Trinkgenossin), wo ich lange nicht mehr als Gast war. Das war schön, auch wenn es ein wenig merkwürdig für mich ist, in einer Bar zu sein und keinen Alkohol zu trinken. Denn Alkohol ist streng verboten während der Therapie und ich werde wohl auch in Zukunft darauf verzichten, da ich verstanden habe, dass das die Symptomatik durchaus verstärken kann, da es die Verletzlichkeit erhöht. Wenn man Alkohol trinkt, ist man oft ohnehin emotionaler und am nächsten Tag eher nicht so gut drauf – wenn man dann noch Schwierigkeiten mit der Emotionsregulation hat, ist das nicht hilfreich. Außerdem kann ich durch den Verzicht auf Alkohol besser lernen, Situationen angemessen anzugehen und Grenzen zu erkennen, die ansonsten durch den Alkohol vielleicht verschoben werden würden.

Donnerstag, 26.08.2021, Klinik Tag 73 – ein ungewohnt voller Donnerstag

[Im Video findet ihr eine Art Wochenrückblick]

Gestern, also am Donnerstag, hatten wir – im Vergleich zu den vorherigen Wochen – wieder gut Programm: Eine Gruppe morgens, ich hatte eine lange Sitzung in der Einzeltherapie, die emotional und anstrengend war, und nachmittags hatten wir nach 3 Wochen endlich mal wieder Körpertherapie. Da wir momentan aufgrund von ungeplanten Abgängen nur 7 anstatt 9 Menschen in der Gruppe sind, waren wir bei der Körpertherapie in unserer Gruppe nur zu dritt, was ich aber als recht angenehm empfunden habe.

Heute – Hallo Migräne, meine alte Freundin

Heute bin ich froh, dass wir nur bis kurz nach 13 Uhr da sein müssen, da ich – mal wieder – mit leichter Migräne, Übelkeit, Schwindel und Zittern zu kämpfen hatte bzw. habe. Ich habe mich direkt hingelegt für 1,5 Stunden, was es ein wenig verbessert hat. Ansonsten plane ich auch nur, früh ins Bett zu gehen und meinem Körper so viel Ruhe zu gönnen, wie möglich.

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Donnerstag, 02.09.2021 – Klinik Tag 80

Eine Runde Selbstfürsorge – erst 20 Minuten Bodycombat und dann eine Runde Yoga. Einen kleinen Flow mit viel Balance. Lange ist es her, dass ich das letzte Mal einen Flow gemacht habe und es tat gut, das heute zu tun.

Mehr zur Woche folgt noch 🙂

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Klinik Woche Samstag 28.09.2021 bis 05.09.2021

Rückblick letztes Wochenende

Sonntag, Zeit zum Schreiben. Zumindest kurz, denn irgendwie bin ich müde. Die Woche war heftig und anstrengend. Im Prinzip ging es vorletzten Freitag damit los, dass es mir nicht so gut ging. Der Samstag war der schwierigste Tag von allen und ich hatte totale Schwierigkeiten, überhaupt zurecht zu kommen. Aber irgendwie habe ich es schlussendlich geschafft. Irgendwann war Abend und ich konnte ins Bett gehen. Am Sonntag war ich dann vormittags wieder in der Klinik und musste somit nur den Nachmittag noch rum bringen, aber auch das hat ganz gut funktioniert. Wie so oft, wenn es mir nicht gut geht, hatte ich wieder Migräne. Das kenne ich „zum Glück“ ja schon, ist dennoch anstrengend.

Klinik Tag 77 – Montag, 30.08.2021 – Hinschmeißen, ja oder nein?!

Montag ging es leider so weiter – gut gehen, ist etwas anderes. Ich hätte am Liebsten die Klinik abgebrochen und alles hingeschmissen und habe es zutiefst bereut, überhaupt verlängert zu haben. Ein Gespräch mit meiner Einzeltherapeutin war in diesem Zusammenhang allerdings sehr hilfreich. Sie hat mir noch einmal vor Augen geführt, wie weit ich schon gekommen bin, denn ich habe den Samstag ohne schädliches Verhalten überstanden. Und dass, obwohl ich häufig im Hochstressbereich war. Das ist nicht selbstverständlich, sondern etwas, auf das ich stolz sein könne. Das fällt mir allerdings immer sehr schwer zu sehen. Ich habe von meiner Überforderung erzählt und ein wenig konnte sie sie mir nehmen, indem sie sagte, dass ich diese Woche vielleicht einfach nur Aushalten soll. Nichts erreichen. Keine zusätzliche Selbstfürsorge. Sondern einfach nur aushalten und da sein. Das sei gerade offenbar anstrengend genug und das sei in Ordnung. „Wenn es nicht wirklich schwer wäre, nicht wirklich wahnsinnig anstrengend der Zustand, in dem Sie sind, dann wären Sie nicht hier.“ Das ist wohl auch ein Teil des Problems: Es fällt mir sehr schwer zu akzeptieren, dass es mir wirklich schlecht geht und ich sehr große Schwierigkeiten in vielen Bereichen habe. Vor allem, weil mir jetzt so viel auffällt, was nicht erst seit gestern schief läuft, sondern schon seit sehr vielen Jahren. Aber das hilft natürlich auch nichts – immerhin lebe ich jetzt und nicht irgendwann in der Vergangenheit. Auch wenn mein Gehirn mir gerne etwas anderes mitteilen möchte. Ich war froh, als ich endlich wieder zu Hause war, habe mich schlafen gelegt und dann noch irgendwie aufgerafft zum Yoga zu gehen. Allerdings war das diesmal keine so gute Entscheidung, ich war einfach zu kaputt und konnte es nicht wirklich genießen.

Klinik Tag 78 – Dienstag, 31.08.2021 – Aufsichtsrattreffen und „Umzug“

Der Dienstag war ein wenig besser als die anderen Tage. Und ich hatte Glück, dass ich in einem Kurs das Aufsichtsrattreffen, was abends stattfinden sollte, ein wenig vorbereiten und planen konnte, da mir das doch Bauchschmerzen bereitet hat. Ich bin gerade so sehr am Zweifeln, dass ich keine Ahnung hatte, wie ich das heil überstehen soll. Aber die Vorbereitung hat geholfen und – wie fast schon vorhersehbar – verlief es deutlich besser und deutlich weniger anstrengend für mich, als ich dachte. Eine gute Erfahrung. Abends bin ich dann noch zu meinen Onkels gezogen, die gerade im Urlaub waren. Ein Ortswechsel hilft ja manchmal auch.

Klinik Tag 79 – Mittwoch, 01.09.2021 – Heulend in der Oberarztvisite

Mittwochs ging es mir leider immer noch nicht wirklich gut. Die Migräne, die Montag und Dienstag anhielt, war immer noch leicht da, aber immerhin habe ich keine Tabletten mehr benötigt. Dennoch habe ich mich sehr erschöpft und kaputt gefühlt und habe es kaum geschafft, in meinem „steuernden“ Anteil zu verbleiben. Vielmehr habe ich mich sehr kindlich und hilflos gefühlt. Hätte am liebsten zu Hause die Decke über den Kopf gezogen und die Welt ausgesperrt. Aber das geht ja leider nicht. Ausgerechnet heute, wo ja auch noch Oberarztvisite stattfindet: Dort sollte man gut vorbereitet mit den Themen ankommen, die einen belasten. Im steuernden Modus. Verantwortung übernehmend. Mir war von vorne herein klar, dass ich dem an diesem Tag nicht nachkommen konnte. Also habe ich von Anfang an gesagt, dass ich nichts mitgebracht habe, da ich mich gerade nicht in der Lage sehe, im „erwachsenen/ steuernden“ Anteil hier zu sein. Und schon bin ich auch in Tränen ausgebrochen und hatte extreme Schwierigkeiten mich zu beruhigen. Aber anstatt, dass ich deswegen „Ärger“ bekommen hätte, wie ich befürchtet hatte, war sie sehr verständnisvoll, hat mich aufstehen lassen, sodass ich mich ein wenig beruhigen konnte. Hat versucht mich aus dieser Emotionsüberschwemmung heraus zu holen, sodass ich zumindest mitbekomme, was sie mir sagen möchte. Das war sehr direkt, aber auch sehr gut. Ich habe mich wahrgenommen gefühlt und irgendwie auch ein wenig geborgen. Mitgenommen habe ich: „Sie schwimmen quasi mitten auf einem Ozean gerade. Die Hälfte haben Sie geschafft, es macht also wenig Sinn umzudrehen. Ich verstehe, dass Sie erschöpft sind. Also legen Sie sich eine Weile auf den Rücken, lassen sich treiben, sammeln Kraft und machen dann weiter.“ Das hat mich sofort angesprochen, da ich mich gefühlt habe, als sei ich mitten im Meer, könne das Ufer nicht sehen und strample vor mich hin, um irgendwie den Kopf über Wasser zu halten.
An diesem Tag hatte ich ohnehin geplant, abends zur Massage zu gehen und das war absolut richtig. Es tat mir total gut und mein Körper konnte sich entspannnen. Am Anfang sind die Gedanken zwar stärker als sonst im Kopf hin und her gefolgen, haben mich abgelenkt, wollten Aufmerksamkeit. Aber mit der Zeit wurden sie ein wenig leiser und mein Körper ein wenig entspannter. Am spannendsten fand ich dann den Moment, in dem mein Körper in einen total meditativen Zustand verfallen ist. Nicht lange, nur kurz. Zuerst fing mein Herz an schneller zu schlagen und dann waren plötzlich alle Gedanken weg. Komplette Ruhe im Gehirn und ich habe mich gefühlt, als sei ich komplett im Hier und Jetzt und gleichzeitig ganz woanders. Am Anfang habe ich dieses Gefühl als total beängstigend empfunden, weil ich die Kontrolle verloren habe. Aber nachdem ich mir klar gemacht habe, dass es in Ordnung ist und ich hier sicher bin, konnte ich mich darauf einlassen und es genießen. Abends habe ich mir dann noch ein Bad in der Badewanne gegönnt und konnte so komplett entspannt schlafen gehen.

Klinik Tag 80 – Donnerstag, 02.09.2021 – Hallo Selbstabwertung

Am Donnerstag ging es mir dementsprechend viel besser. Ich hatte ziemlich gute Laune, was mich selbst überrascht hat, aber auch gefreut. Ich habe es genau so angenommen und war einfach glücklich, dass es mir gut geht. Auch die Einzeltherapie war wieder sehr hilfreich: Sie hat mir geholfen zu sehen, dass ich mich selbst durch Selbstabwertung blockiere. Nicht bewusst natürlich, sondern unterbewusst. Dass dies aber ein großes Problem darstellt. Das zu wissen, löst zwar das Problem nicht, hilft aber dabei, aufmerksamer zu sein. Nachmittags hatten wir wieder Körpertherapie und das war auch recht interessant, wenn auch ein wenig schwierig für mich. Schwierig, weil ich gemerkt habe, dass ich bei einer Schwierigkeit, die sehr belastend ist, noch nicht wirklich weiter voran gekommen bin und mir bewusst geworden ist, wie weit mein Weg noch ist. Wie lang er noch ist. Das hat mich durchaus ein wenig frustriert. Zu Hause habe ich dann ein wenig geschlafen, kurz Sport und ein wenig Yoga gemacht, was ganz gut war (s. Video oben).

Klinik Tag 81 – Freitag, 03.09.2021 – Aushelfen bei The Good Food

Am Freitag ging es mir wieder ein wenig schlechter, aber zum Glück war es ja nur ein kurzer Tag, der auch immer recht schnell vorbei geht. Danach bin ich kurz zu The Good Food gefahren, um eine andere für eine Stunde zu unterstützen, was ganz gut war, da zu dieser Zeit eine riesen Lieferung ankam und somit viel zu tun war und es Spaß gemacht hat. Dennoch war ich ziemlich kaputt, als ich abends zu Hause war.

Klinik Tag 82 – Samstag, 04.09.2021 – Langer Tag im Laden

Samstag dann wieder zur Klinik – der bislang schwierigste Morgen für mich. Ich bin kaum aus dem Bett gekommen und musste mich dann mega beeilen, noch halbwegs pünktlich zu kommen. Wir haben in der Klinik viel gemeinsam gerätselt und Seifenblasen steigen lassen, was durchaus Spaß gemacht hat. Aber irgendwie war mir das dennoch zu viel und ich wurde immer gereizter und genervter. Da ich zugesagt hatte, nach der Klinik Ladendienst zu machen, bin ich direkt dorthin gefahren, obwohl ich mittlerweile schon keine Lust mehr hatte. Aber hilft ja nichts. Gute Entscheidung: Es war nicht viel los, sodass ich durchaus Ruhe zum Durchatmen hatte. Die Kunden die da waren, waren alle sehr freundlich und ich habe ein paar sehr nette Gespräche geführt. Über alles mögliche, aber auch über psychische Erkrankungen. Ich habe gemerkt, dass ich ein wenig aufgeblüht bin und war froh, da zu sein. Das führte allerdings dazu, dass ich – anstatt wie angedacht 1,5 Stunden – insgesamt 3,5 Stunden dort geblieben bin. Beim Aufräumen habe ich dann gemerkt, dass meine Grenze deutlich überschritten ist. Das ist eben das Problem: Ich merke es erst, wenn es zu spät ist. Wie früher beim Inlineskaten: Immer schön in eine Richtung, bis ich nicht mehr kann. Und dann die Feststellung: Mist, ich muss ja auch noch zurück?! Wie soll das jetzt bitte gehen?!! Da will ich noch den richtigen Weg, das richtige Maß für mich finden, nur ist das eben nicht so einfach. Dementsprechend früh bin ich dann auch ins Bett gegangen.

Klinik Tag 83 – Sonntag, 05.09.2021 – FREI

Heute bin ich einfach nur müde und wäre am liebsten den ganzen Tag im Bett geblieben. Leider ging das nicht, weil ich mich noch testen lassen musste. Also habe ich das mit einem Spaziergang nach Ehrenfeld verbunden. Ein wenig Sonne tanken und raus. So im Nachhinein bin ich froh darüber, denn sonst hätten ich mich vermutlich gar nicht bewegt. Außer vielleicht auf den Balkon.

Morgen beginnt dann bereits meine vorletzte Woche. Ich bin gespannt, was mich in den letzten zwei Wochen noch erwartet.

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Montag 06.09. bis Donnerstag 09.09.2021 – Tage 84 – 87

Und wieder ist eine Woche vorbei. So schnell, ich kann es kaum fassen. Heute ist Donnerstag, morgen fällt die Klinik aus – ebenso wie Samstag. Zwei Tage hintereinander – das hatte ich seit 13 Wochen nicht. Diese Woche war wieder recht anstrengend, denn ich bin viel gereizt. Habe regelmäßig Kopfschmerzen und bin erschöpft.

Montag, 06.09.2021 – Tag 84 – „Sicherer innerer Ort“?

Die Kunsttherapie am Montag hat mir zu denken gegeben. Es ging um den „sicheren inneren Ort“. Ein Ort, an dem man sich geborgen und wohl fühlt. So dachte ich. Den sollten wir malen. Doch dann hieß es plötzlich, auch das innere Kind solle sich dort wohlfühlen und frei spielen können. Alles haben, was es benötigt. Doch so ein Ort ist meiner nicht. Keiner, wo man als Kind gut spielen kann oder sollte. Keiner, an dem man als Kind in Sicherheit ist. Jetzt bin ich irritiert und verunsicert, dann: Wieso soll das plötzlich so sein? Es ist nicht die erste Klinik, in der ich mit dem „sicheren Ort“ in Kontakt komme, wohl aber die erste, die mir irgendetwas davon erzählt, dass sich auch Kinder dort wohlfühlen sollen. Das muss ich wohl noch mal überdenken… An sich war der Tag super anstrengend, da ich wenig geschlafen hatte und zudem den ganzen Tag über Bauchschmerzen hatte. Zum Yoga habe ich es auch nicht mehr geschafft abends, stattdessen lieber früh ins Bett.

Dienstag, 07.09.2021 – Tag 85 – „Anspannung“

Der Dienstag war vormittags unfassbar stressig: Oberarztvisite, die ich sehr verwirrend fand dieses Mal. Dann DBT-Gruppe, in der es um den Umgang mit Gefühlen ging. Um das angemessene Gefühl. Die angemessene Art es zu äußern bzw. damit umzugehen. Meine innere Anspannung ist stetig immer weiter angestiegen und die Verzweiflung stieg in mir auf, denn, woher soll ich bitte wissen, was angemessen ist?! Wenn das, was ich oft empfinde, es offenbar nicht ist?! Direkt im Anschluss folgte ein Gespräch mit meiner Bezugspflege, in der es um Grenzensetzung und „Nein-sagen“ ging, ebenso wie um meine sehr hohe innere Erwartungshaltung mir gegenüber, wodurch es sehr oft zur Selbstabwertung kommt und wodurch ich stark blockiert werde in meiner Genesung. Aha, wenn ich aber doch weiß, was mich blockiert, warum ändere ich es dann nicht? Tja, ich sag mal so: Wenn das so einfach wäre, dann wäre ich nicht hier und hätte es schon längst getan!! Offenbar verfüge ich im Augenblick nicht über die nötigen Fertigkeiten oder Ressourcen, um diese Schwierigkeit zu lösen. Das ist wohl einfach so – es ist ja nicht so, als würde ich mich nicht bemühen. Aber vielleicht zu viel? Wer weiß das schon…
Im Anschluss hatten wir Entspannung, was für mich absolut nicht entspannend war: Es ging darum, seinem Atem zu folgen, auf seinen Atem zu achten. Wir sollten bzw. durften dabei sehr laut atmen, was einige auch taten, wodurch mein Stresslevel immer weiter angestiegen ist. Ich habe mich total eingeengt gefühlt und musste mich sehr darauf konzentrieren, nicht auszurasten oder aus dem Raum zu stürmen. Ich habe versucht bei mir zu bleiben. Habe versucht den lauten Atem der anderen in meine Gedanken mit einzubauen. Aber es hat alles kaum geholfen. Im Anschluss erklärte die Therapeutin, dass es damit etwas zu tun haben könne, dass ich das Gefühl hatte, in einer Situation gefangen zu sein und mich ihr nicht entziehen zu können. Ich denke, da hat sie recht. Ich bin nur sehr ungern in Situationen, in denen ich das Gefühl habe, nicht jederzeit gehen zu können.
Nachmittags fand dann gar nichts mehr statt und dieser krasse Gegensatz hat mich noch mehr überfordert. Ich habe die Zeit dann genutzt, um ein wenig spazieren zu gehen und mich draußen ein wenig auszuruhen. Dennoch war ich froh, als der Tag hier zu Ende war. Ich bin im Anschluss zum Laden gefahren und dort eine Stunde eingesprungen. Danach habe ich mir ein sehr leckeres Eis gegönnt, das meine Laune schlagartig verbessert hat. Immerhin etwas gutes an dem Tag. Als ich endlich wieder zurück in der Wohnung war, habe ich Abendbrot gegessen und mich ins Bett gelegt, da mein Kopf angefangen hat zu schmerzen.

Mittwoch, 08.09.2021 – Tag 86 – „Hallo Kopfschmerzen“

Das hielt die ganze Nacht an, obwohl ich nachts bereits Tabletten genommen hatte. In der Klinik noch eine, aber ganz aufgehört hat es dann erst abends im Bett. Ich war an diesem Tag sehr gereizt, was vermutlich durch die Kopfschmerzen schlimmer wurde. Außerdem stieg meine Anspannung in dem DBT-Kurs am Nachmittag, in dem es um zwischenmenschliche Beziehungen ging und ich hatte massive Schwierigkeiten zu folgen und mitzubekommen, um was es eigentlich geht. Trotz Skills. Aber mein Gehirn wollte nicht so richtig, es wollte weg. Abdriften. Dichtmachen. Bloß nichts mitbekommen – alles zu viel. Wirklich? Eigentlich wohl nicht, da ich das Thema ja schon mal hatte, aber aufgrund meiner gereizten Stimmung und der Kopfschmerzen irgendwie schon. Ich war froh, endlich nach Hause zu können, wo ich mich direkt ins Bett gelegt habe und 2 Stunden geschlafen habe. Abendbrot und wieder schlafen. Endlich wurden die Kopfschmerzen besser.

Donnerstag, 09.09.2021 – Tag 87 – „last day of this week“

Und heute ist schon wieder Donnerstag. Der letzte Tag in dieser Woche, meiner vorletzten Woche. Nur noch 6 Tage in der Klinik verbleiben – nächsten Freitag ist die Entlassung. Langsam fange ich an, mich davon gestresst zu fühlen, denn ich habe das Gefühl, die Zeit hier nicht genug genutzt zu haben. Mich viel zu oft quer gestellt zu haben. Widerstand gespürt und gegen ihn verloren zu haben. Mich nicht genug angestrengt zu haben. Aber rational weiß ich, dass das nicht stimmt. Da weiß ich, dass es sich dabei um negative Glaubenssätze handelt, die nicht stimmen. Denn ich habe jeden Tag das bestmögliche gegeben. Auch wenn es mal nicht viel war, so war es das, was mir möglich war. Natürlich habe ich mich unterbewusst selbst blockiert, sonst hätte ich nicht so oft Migräne gehabt, nicht so viel Nebel im Kopf, würde nicht so viel vergessen. Vielleicht eine Folge meiner hohen Erwartungshaltung an mich selbst. Eine Folge des Drucks, den ich mir mache, da es doch „endlich mal“ besser werden muss. Aber so funktioniert die Psyche nicht. Es bedarf Geduld. Und darin bin ich nicht so gut. Ich will am liebsten alles gestern haben – aber das geht eben nicht. Der Körper muss bereit sein. Die Psyche muss bereit sein. Und irgendwie ist das bei mir nicht so. Ich habe bislang nicht herausfinden können, was mich blockiert und davon abhält, gesund zu werden. Das ärgert mich, aber Ärger hilft eben auch nicht weiter. Eine Woche bin ich jetzt noch hier und gespannt, was mich noch erwartet. Dennoch bin ich froh, ein wenig durchatmen zu können am Wochenende. Denn es war eine lange und sehr anstrengende Zeit bislang.

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Klinik Tag 91 – auf und ab und auf und ab

Heute lief es irgendwie sehr gemischt. Das Wochenende hing mir noch ziemlich nach – Freitag und Samstag waren ziemlich schwierig. Das hing mir heute noch ein wenig nach, sodass ich bereits gereizt aufgewacht bin. AAAABER: Zwischen dem ersten und zweiten Video sind vielleiht 1,5 – 2 Stunden vergangen, die Stimmung aber hat sich um 180 Grad gedreht. Endlich mal was, was funktioniert hat.

Ab:
– morgens etwas zerstört
– genervt in der Klinik und Mitpatienten angemeckert
– schwierige Kunsttherapie mit viel Emotionen
– nach der Klinik zu Good Food
– schnell zum Yoga nur um festzustellen, dass es heute gar nicht stattfindet…

Auf:
– mich entschuldigt und Problem aus der Welt geräumt
– Yoga alleine zu Hause gemacht
– Backflash bekommen und 3 verschiedene Dinge gefertigt

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Klinik Tag 92 – Weiter geht’s mit der Achterbahn

Mein heutiger Tag in 4 Bildern und einem Video.

Los geht’s: Kopfhörer für die Bahn und evtl Klinik dabei

Auszeit in der Klinik – eine Runde Sonne genießen

Müde und kaputt auf dem Weg nach Hause

Eine Zusammenfassung des heutigen Tages

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Donnerstag, 18.09.2021 – Klinik Tag 94 – KBT Abschied

Geschenke für meine lieben Mitpatienten
affirmationskärtchen
Affirmationskärtchen
Abschieds-Kuchen für mich ♥ Extra vegan, obwohl sie nich vegan gebacken hat ♥
Vorletzter Taaaag! Emotional…huiuiui…

Freitag, 17.09.2021 – Klinik Tag 95 – ABSCHIED

Mein letzter Tag heute. Total merkwürdig – ich habe es immer noch nicht ganz realisiert. Aber langsam merke ich einen Knoten im Hals und ein wenig Traurigkeit, dass ich ein paar der Leute eben nicht mehr jeden Tag sehen werde. Dass es mal so kommt, hätte ich nie gedacht. Und mir geht es gut. Auch das hätte ich nie gedacht. Ein Abschluss bzgl. „Was habe ich gelernt“ kommt in den nächsten Tagen noch.

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