Wege raus aus dem Dunkel
Alltagskampf
Alltagskampf

Alltagskampf

Nun ist ein neuer Tag angebrochen,
mit viel Kraft bin ich aus dem Bett gekrochen.
Doch freuen tue ich mich nicht,
denn er lacht offen in mein Gesicht.
Hält Ängste, Frust und Hürden bereit
– für andere eine Kleinigkeit –
doch ich, ich schaff’s nicht mal zur Dusche.
„Was bist du nur für eine Lusche?!
Andere Menschen schaffen’s doch auch!!“
Fang‘ an zu weinen, es krampft im Bauch.
Ich spür‘, ich sollte schnell was essen,
doch schreit die Stimme:“ Hast du’s vergessen?
Du bist doch ohnehin zu fett,
versteck‘ dich lieber in deinem Bett!!
Denn so wie du aussiehst, dich verhälst,
wen interessiert’s da, ob du dich quälst?!
Und wenn du nun tot in der Ecke rumliegst –
du bist selber Schuld, wenn du es abkriegst!“
Und so geht es noch stundenlang weiter.
Mein Kopf schreit mich an, munter und heiter,
bis ich es irgendwann nicht mehr ertrage,
meine Nägel in den Unterarm schlage.
Kratzen und kneifen – ich merk‘ den Schmerz nicht,
während mein Inneres einen Kampf ausficht.
Doch plötzlich bin ich im Hier und Jetzt,
merke den Schmerz, seh‘ mich verletzt,
hör‘ auf zu weinen, kann wieder atmen –
die Stimme im Kopf, sie muss kurz warten.
Ich spüre meinen Körper nun endlich wieder,
bevor sie ertönen, die alten Lieder.
Denn nun habe ich ja ’nen neuen Grund
mich fertig zu machen:“Du bist nicht gesund!
Und wirst es auch niemals wieder sein –
red‘ dir das besser bloß nicht ein.
Du müsstest dich viel mehr anstrengen,
nicht jeden Tag im Bett abhängen.
Du bist natürlich selber Schuld!
Dir fehlt Disziplin und die Geduld.“
Doch was soll ich machen, denk‘ ich bei mir,
geh‘ jeden Tag raus, vor die Tür,
da täglich spazieren helfen soll
– super Rat, wirklich toll.
So schlepp‘ ich mich raus, um zu laufen,
wenn’s gut läuft weiter zum Essen einkaufen.
Zwinge mich täglich genug zu essen,
den Ekel darüber schnell zu vergessen.
Zwinge mich, mal froh auszusehen,
denn irgendwie muss ich den Tag überstehen.
Und hoffe, dass niemand fragt:“ Geht es dir gut?“
denn ich bin es Leid: Wahrheit und Betrug.
Die Wahrheit, die will keiner wissen –
Selbstverletzung. Suizid, ja mir geht’s beschissen.
Und Trug? Was genau bringt das schon!?
Die Hoffnung und Freude der anderen Person
bedeuten Frust bei mir, Resignation
und Feuer, für den ewigen Hohn:
„Siehst du, du bist eben nur dann wichtig,
wenn alles gut läuft, alles richtig.
Du dich der Welt, der Gesellschaft anpasst,
egal wie sehr du das selber hasst!“
Und doch weiß ich, nur ich kann mir helfen.
Behalt die Hoffnung, die Chance zu ergreifen.
Die Hoffnung, dass es eben doch ausreicht
und die Dunkelheit irgendwann dem Lichte weicht.

Anmerkung:
Text: Skandinavien, August 2020.
Foto: Süddeutschland, November 2019©Kristine.

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