Wege raus aus dem Dunkel
Schmerz*
Schmerz*

Schmerz*

Du sitzt neben mir, hältst mich geborgen im Arm. Ich fühle mich sicher und warm und lasse los,
Tränen rollen über mein Gesicht, die Haut gesprenkelt: weiß und rot.
„Ok, danke. Es ist genug“, sage ich und schaue dir dabei ins Gesicht,
doch wie so oft, interessiert dich das nicht.
Du willst nicht gehen, willst bei mir bleiben und – um dir die Zeit zu vertreiben –
drückst du mich fester an dich. Erst kaum merklich, doch von Sekunde zu Sekunde immer unangenehmer bis ich
das Gefühl habe, mir bleibt die Luft weg. Ich versuche zu atmen doch der Druck
ist zu stark. Auch wenn ich hin und her ruck‘, zu fest umschließen mich deine Arme.
Mein Herz fängt an zu rasen – wie war noch dein Name?!
Egal, ich schrecke hoch, schreie: „LASS MICH LOS!“, doch dich interessiert das nicht, denn du willst bleiben.
Die Kontrolle haben, du liebst das Leiden. Wie ein Fisch an Land schnappe ich nach Luft, in meinem Kopf sammelt sich Nebel und Druck, der dicker und undurchsichtiger wird. „LASS MICH!“ Schreie ich innerlich, doch das interessiert dich nicht, du lachst nur leise auf. Lass den Dingen seinen Lauf, sagst du und ich werde hinab gezogen ins Dunkel. Hinab in das Grauen, nirgendwo ist es mehr hell.
Ich werde zerstochen von – ja von was eigentlich? Wenn ich ehrlich bin weiß ich es nicht, aber es fühlt sich an wie Messerstiche.
Tief in den Rücken. Ins Herz. In alle Lücken, die irgendwo zu finden sind.
Das Herz rast schneller, der Nebel wird dunkler und ich, ich liege hier, umschlungen von dir. Die Nadel-, nein Messerstiche werden stärker, alles wird dunkler und du, du lachst noch mehr.
Denn gleich hast du es geschafft, geschafft mich wieder in die Tiefe zu ziehen. Dort, wo die Welt scheint stehengeblieben, dort wo all die Erinnerungen ruhen, die mir absolut nicht gut tun.
Die Erwartungen, die ich nie erfüllen kann, Glaubenssätze – wo fange ich da nur an? Erinnerungen, die ich nicht haben will und dennoch – die Zeit steht jetzt still.
Das Messer in der Brust wird herum gedreht, Salz hinzugefügt und Misstrauen gesät, es soll ja nicht zu einfach sein. Ich liege starr und still, wie gelähmt, wenn man so will und von außen kannst du nichts sehen. Kannst nicht ahnen, was in mir passiert.
Dass ich mich auflöse, nicht mehr sein will hier, dass ich dich frage, was du schon wieder willst von mir und warum du nicht einfach für immer verschwinden kannst. Du siehst mich an und lachst laut ganz leise und ich weiß, dass du bleibst.
Also mache ich mich innerlich bereit, dich mitzunehmen auf meine Reise – egal wohin ich auch gehe – zu hoffen, dass ich dich irgendwann verstehe und du dann freiwillig loslässt, mir ein wenig mehr Platz zum Atmen lässt und du nur noch ab und zu vorbei schaust, nicht die ganze Zeit in mir haust, sondern als Gast hinein trittst und dann wieder gehst und mir nicht mehr ständig im Weg herum stehst.

*hier als Audiodatei verfübar:

Anmerkungen:
Text: März 2022.
Foto: März 2022©Kristine.

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