Wege raus aus dem Dunkel
NEBELWEGE
Chance für Veränderung

Chance für Veränderung

Du hast die Wahl

Es ist einfach und bequem etwas so zu lassen, wie es gerade ist. Nicht an sich arbeiten zu wollen, weil es zu anstrengend ist. Oder man zu müde ist. Oder ohnehin alles keinen Sinn macht. Oder sich keine Erfolge/ Veränderungen einstellen wollen. Ich habe so viele Ausreden parat – ich könnte Seiten damit füllen. Aber ich vermute mal, ihr kennt auch ausreichend. Veränderung bedeutet, alte Muster loszulassen und neue, unbekannte Wege einzuschlagen. Das verunsichert und macht vielleicht auch Angst. Mir macht es Angst, denn ich weiß nicht, was kommen soll. Was passiert. Es entzieht sich meiner Kontrolle. Und ein gefühlter Kontrollverslust ängstigt mich. Und es lässt mich zweifeln, ob es sich überhaupt lohnt. Wenn ich in diese sich selbst immer weiter verstärkende, negative Spirale hinein komme und gerne aufgeben möchte, mache ich mir klar, dass ich auch das darf. Denn ich habe die Wahl. Jeden Tag. Jede Stunde, jede Minute, jede Sekunde. Und das ist irgendwie befreiend, finde ich:

Ich habe die Wahl. Es ist mein Leben.

Akzeptanz

Um etwas zu verändern, ist Akzeptanz ein toller aber auch sehr schwieriger und anstrengender Weg. Akzeptanz bedeutet nicht, dass ich etwas gut finde, wie es ist, dass ich es billige. Es bedeutet, dass ich die Situation annehme, so wie sie ist. Ich muss sie nicht mögen. Aber ich muss sie annehmen, um dann in einem zweiten Schritt gucken zu können, was ich konkret an dieser Situation in diesem Moment ändern kann. Denn natürlich möchte ich nicht, dass es mir schlecht geht. Aber wenn ich es annehme, genau hingucke, dann kann ich erkennen, welche Bedürfnisse gerade unerfüllt sind, kann etwas tun, um diese zu erfüllen und mich dadurch besser fühlen. Aber der erste Schritt ist immer, anzunehmen, dass es jetzt gerade eben nicht gut läuft, dass es mir eben nicht gut geht. Bevor man sich das nicht eingesteht, fällt eine Veränderung noch schwerer.

Ein Schritt nach dem anderen

Ja ich weiß, das hast du wahrscheinlich schon hundert mal gehört. In mir löst es gerne Wut aus: „Ach ja, schön, dass es so einfach klingt, aber ich weiß, dass es das nicht ist! Und es funktioniert nicht und woher soll ich überhaupt die Disziplin nehmen?!“ Vielleicht kennst du solche Gedanken ja auch. Die sind berechtigt, denn es ist unfassbar schwer. Ich verzweifle täglich daran. Gebe auf, raffe mich erneut auf und fange von vorne an. Ich glaube, das ist das Wichtigste: Egal, wie oft man fällt, immer wieder aufzustehen und weiterzumachen. Auch wenn sich der Erfolg nicht sofort einstellt, denn das wird er nicht. Es wird dauern. Dafür braucht man Geduld – eine Tugend, die ich nicht so wahnsinnig gut beherrsche, die aber mit der Zeit immer besser wird. Denn ohne Geduld funktioniert es nicht. Eine meiner Therapeuten sagte mal zu mir: „Eine kleine, zarte Pflanze wächst nicht schneller wenn Sie einen Eimer Wasser drauf kippen.“ Dieser Satz ist mir in Erinnerung geblieben, weil ich auch immer möglichst alles sofort und am besten gestern schon gemacht haben möchte. Ich will alles ausprobieren und überfordere mich damit so sehr, dass ich entweder in eine Schockstarre verfalle und gar nichts mehr tue, oder so frustriert bin, dass ich mich in eine gedankliche Abwärtsspirale begebe. Beides ist nicht sehr hilfreich:

Immer einen Schritt nach dem anderen.
Langsam, geduldig.

Ich bin nicht das Gefühl, ich habe ein Gefühl

In sehr regelmäßigen Abständen kocht bei mir die Wut hoch über „diesen ganzen Akzeptanz-Scheiß, denn was soll das bringen?“ Gerade wenn die Gefühle extrem stark sind und der Drang zur Selbstverletzung und Gedanken daran meinen Kopf beherrschen, dann klingt es in meinen Ohren oft höhnisch zu sagen: „Es ist, wie es ist. Ich nehme es an.“ Denn ich merke tief in mir drin, dass ich es nicht annehmen möchte. Dass es aufhören soll. Dass ich „normal“ sein will. Doch genau das ist das Problem: Bevor ich nicht anfange, meine Situation so zu akzeptieren, wie sie ist, kann ich sie nicht effektiv ändern. Mittlerweile habe ich einen recht annehmbaren Weg gefunden, um damit umzugehen: Eine Art Mantra, die ich mir immer und immer wieder aufsage. Und dabei versuche ruhig zu atmen – länger ein als aus. Um der Akzeptanz näher zu kommen und um langsam aber sicher aus meinem selbstschädigenden Verhalten heraus zu kommen. Es hilft nicht immer. Es bewahrt mich nicht immer vor Selbstverletzungen. Aber es ist ein Anfang. Es bedarf Übung und Zeit. Denn mal eben so ein Verhalten ändern, dass man seit knapp 20 Jahren an den Tag legt, ist eben nicht möglich.

Mein „Mantra“ bei Selbstverletzungsdrang.

Mut und Kraft als Hilfe

Aber auch ohne starke Gefühle und Selbstverletzungsdrang fällt es mir schwer, regelmäßig Achtsamkeitsübungen zur Verbesserung der Akzeptanz und Veränderung der Situation durchzuführen. Ich habe – wie oben bereits erwähnt – immer sehr gute Gründe, warum es gerade jetzt nicht passt. Natürlich passt es quasi nie. Also müssen Tricks zur Selbstüberlistung her: Wie überwinde ich meinen Schweinehund? Eine Taktik ist es, die Übungen auf Karten zu schreiben und in sichtweite aufzubewahren. Ich habe z.B. verschiedene Achtsamkeitsübungen und positive Affirmationen auf mit Aquarellfarben verziertes Papier geschrieben. Die Achtsamkeitsübungen sammle ich als bunte Mischung in einem Glas auf meinem Schreibtisch. So kann ich einfach eine Karte ziehen und eine Übung machen. Die Übungen sind kurz gehalten – die längste geht 15 Minuten. Dadurch ist die Chance, dass ich auch wirklich regelmäßig eine mache, größer. Und wenn ich dann ein paar Wochen doch keine Übung durchgeführt habe, versuche ich, mich dafür nicht fertig zu machen, sondern einfach wieder zu starten. Ohne Vorwürfe. Ohne Verurteilung. Die positiven Affirmationen bewahre ich in meiner kleinen Notfallkiste und teilweise in meinem Geldbeutel bzw. meinem Handycover auf. Jeden Tag verbringe ich einige Momente damit, mindestens eine Affirmation aufzusagen, die mir in dem Moment gerade passend erscheint. Ob es was bringt? Zumindest manchmal werde ich dadurch etwas ruhiger. Und vielleicht hilft es ja auf lange Sicht – das ist immer schwer einzuschätzen. Aber es deswegen nicht zu machen? Das kommt nicht in Frage, denn wie gesagt, manchmal hilft es ja. Also mache ich einach weiter. Versuche, nicht zu frustriert zu sein, nicht zu verzweifelt. In der Hoffnung, dass es besser werden wird. Denn eines, das ist sicher:

Ich lasse los!

Nein, die Welt wird sich nicht verändern, wenn ich Krieg in meinem Inneren führe. Sie verändert sich aber, wenn es mir besser geht. Denn dann sende ich positive anstatt negative Energien an die Umwelt aus. Diese positiven Energien können positives Bewirken. Je mehr Menschen positive Energien ausstrahlen, desto mehr wird sich ins positive verändern. Davon bin ich überzeugt. Also ist es wichtig, weiter zu machen. Weiter zu kämpfen. Aufzustehen, wenn man stürzt. Den Mut nicht verlieren. Und um Hilfe bitten, wenn es nicht mehr geht!

2 Kommentare

  1. Silvia Borroni

    Vieles, was du geschrieben hast, erkenne ich bei mir selbst wieder. Dieser ewige Kampf weiter zu machen, ruhiger zu werden, die aktuelle Situation zu akzeptieren, nicht zu verzweifeln… Nicht aufzugeben. Ich war so oft müde davon und frustriert. Ich hatte keine Lust mehr immer um alles kämpfen zu müssen.

    Ich kämpfe teilweise immer noch, aber es hat sich bei mir gelohnt und ich habe deutliche Veränderungen an mir selbst wahrgenommen. Das macht mich glücklich und motiviert mich, weiter zu kämpfen und immer wieder neu anzufangen.

    1. Vielen Dank für deine Worte und deine Offenheit. Deine Freude über Veränderungen kann ich nachvollziehen – ich freue mich auch immer sehr, wenn ich merke, dass sich der Kampf und die Arbeit gelohnt haben und irgend ein kleines Detail einfacher und leichter im Alltag wird.

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